Ist Osama bin Laden wirklich tot?

Die Aktion der Amerikaner wirft viele Fragezeichen auf: So erinnert ein pakistanischer TV-Sender daran, dass der Tod des Terroristen schon mehrmals verkündet wurde und fragt sich, warum die Amerikaner die Leiche des Terroristen einfach klammheimlich ins Meer geworfen haben sollen.

Javed Chaudhry ist Talkmaster eines vielgesehenen Urdu-Fernsehnachrichtensenders. Im Programm von „Kal Tak“ („Bis morgen“) stellt er am Montagabend mehrere Fragen, die wohl nicht nur rhetorisch gemeint waren: Vielmehr zeigt die Skepsis, dass die amerikanische Propaganda in Sachen Osama bin Laden in den vergangenen Jahren mehrfach übers Ziel hinausgeschossen ist – und daher die Glaubwürdigkeit der amerikanischen Außenpolitik entsprechend gelitten hat.

So erinnerte Chaudhry in seiner Sendung denn auch daran, dass Osama bin Laden in der Vergangenheit bereits mindestens siebenmal für tot erklärt wurde: Zuerst meldete Fox News sein Ableben im Dezember 2001. Die New York Times, der Daily Telegraph, Präsident George W. Bush meldeten ebenfalls das Ende Osamas. Eine arabische Zeitung berichtete sogar vom Begräbnis bin Ladens. Das Blatt zitierte einen Taliban-Führer, der behauptete, er habe dem Begräbnis beigewohnt. Im Juli 2002 sagte ein Top-FBI-Mann der BBC, dass Osama tot sei. Im Oktober 2002 bestätigte der afghanische Präsident Hamid Karsai die Nachricht auf CNN. Auch der pakistanische Präsident Pervez Musharraf bestätigte den Tod und sagte, Osama bin Laden sei an Nierenversagen gestorben. Der israelische Geheimdienst bestätigte diese Information. Der pakistanische Moderator erinnerte daran, dass ähnliche Nachrichten über den Tod Osamas in den Jahren 2005, 2006 und 2009 lanciert wurden. Im Dezember 2010 zeigte die Washington Times sogar das Grab von Osama bin Laden.

Anders war das Vorgehen bei Saddam Hussein

All diese Fakten habe er nicht erfunden, sagte Chaudhry. Aber er frage sich: Wenn Osama bin Laden nun getötet wurde – wer waren all die bin Ladens, die in den vergangenen Jahren bestattet wurden? Anders war das Vorgehen bei Saddam Hussein, dessen Auffinden im TV dokumentiert wurde (auch wenn man bis heute nicht weiss, ob der gezeigte Mann ein Doppelgänger gewesen ist).

Wie viele seiner Landsleute fragte sich der Moderator: Warum haben Amerikaner und Pakistanis die Leiche nicht an Osamas Familie in Saudi-Arabien übergeben? Warum wurde keine einziger Journalist eingeladen, um die Leiche zu sehen? Warum gibt es keinen öffentlichen DNA-Beweis, dass es sich wirklich um Osamas Leiche handelt? Warum wurde die Leiche ins Meer geworfen [phenk dia gaya] – in Urdu klingt das sehr nach Leichenschändung. Jemand anders auf dem Programm sagte, jemanden auf dem Meer zu bestatten entspreche nicht den islamischen Vorschrift, berichtet das Jewish Journal of Greater L.A..

Neben dem üblichen Verdacht, die ganze Mord-Geschichte könne purer Wahlkampf von Präsident Barack Obama sein, streute Chaudhry noch andere Zweifel unter seine Zuschauer: Sollte Pakistan als Terroristen-Staat diskreditiert werden? Wo kamen die amerikanischen Hubschrauber her? Wenn sie in Jalalabad gestartet waren, würde das eine Flugzeit von dreieinhalb Stunden nach Abbotabad bedeuten. Warum wurden sie vom pakistanischen Radar nicht erfasst oder von der Luftabwehr am Weiterfliegen gehindert? Wenn sie dagegen aus Pakistan gestartet waren, würde dies bedeuten, dass amerikanische Truppen bereits in Pakistan operierten – eine Tatsache, die die Amerikaner bisher immer aufs Heftigste bestritten hatten.

Wie konnte Osama bin Laden in Abbotabad leben?

Wenn Osama bin Laden ungestört in Abbotabad leben könne – kann es dann sein, das jemand wie Ayman al Zawahiri in Karachi oder in Lahore lebt? Und können die Amerikaner dann auch einfach in diese Städte fliegen und sich die nächsten Terroristen einfach so rauspicken? Und andererseits: Wenn bin Laden tatsächlich einen Steinwurf entfernt von der Kabul Akademie gelebt haben soll – warum haben die Geheimdienste das nicht gewusst?
Wie schon nach dem Attentat auf das World Trade Center in New York am 11. September 2001 ist zu erwarten, dass auch der Tod von Osama bin Laden ein reiches Betätigungsfeld für die Verschwörungstheoretiker aller Länder bieten wird.

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