Journalisten aus bin Ladens Versteck in Abottabad vertrieben

Reporter, Kameraleute und Produzenten werden seit vergangenem Wochenende an der Berichterstattung rund um das am letzten Sonntag gestürmte Versteck Osama bin Ladens in Pakistan gehindert. Das Gebiet wurde abgeriegelt. Die Medienvertreter sollen die Stadt verlassen.

Alles habe mit Gerüchten begonnen, berichtet der Al Jazeera Reporter Imran Khan. Die pakistanische Einwanderungsbehörde habe zu jedem Hotel in Abbottabad Beamte geschickt, um in Erfahrung zu bringen, ob dort ausländische Journalisten wohnen würden. Dann sei den Hotelmanagern der Befehl erteilt worden, bestimmte Reporter zum Gehen aufzufordern.

„Diese Gerüchte bestätigten sich schnell“, erklärt Khan weiter und fährt fort: „Reporter, Kameramänner und Produzenten aus der ganzen Welt sahen sich plötzlich ihre Sachen packen als in Anbetracht von Live-Sendungen und bestehender Satellitenverbindungen die Regierung nun weitere Befehle aussprach.“

Das Versteck bin Ladens ist abgeriegelt

Auch die Spannungen zwischen den Journalisten und der Armee hätten über das vergangene Wochenende zugenommen, berichtet der Al Jazeera-Reporter weiter. Diese sei es auch gewesen, die ein Arbeiten letztlich unmöglich gemacht hätte. Man habe bereitwillig Zugang gewährt und die Medien ihren Job machen lassen, ließ diese verlauten, jetzt wäre es aber genug. Das ehemalige Versteck bin Ladens sei abgeriegelt. Journalisten kämen nicht einmal mehr in seine Nähe. So überraschte es auch nicht, dass die wahren Gründe hinter der US-Operation auf pakistanischem Boden schließlich in dessen Ölvorräten gesehen wurden.

„Das alles“, so fasst Khan zusammen, „macht es nicht einfacher an Informationen heranzukommen.“ Auch als Journalist würde man schließlich nur seine Arbeit tun: Augenzeugen ausfindig machen und darüber berichten, was man sehe. Kommerzielle Zwänge, redaktionelle Vorschriften und eine Million anderer unkontrollierbarer Faktoren würden das Ganze erschweren. Doch gerade die seien es, die letztlich die eigene Arbeit kontrollieren würden. In Abbottabad hat die Niederschlagung begonnen. „Die Regierung hat deutlich gemacht, dass sie die Journalisten aus Abbottabad raushaben möchten.“

„Es dauert Jahre, die Wahrheit zu erzählen.“

Bisher geschähen die Dinge in einer formellen Weise. Für die Bekanntmachungen bediene man sich einer undurchsichtigen juristische Sprache. Aber obwohl Medien-Organisationen noch darüber debattierten, was nun zu tun sei, und diesen schließe er sich durchaus an, ist Imran Khan der Meinung, dass die Geschichte erzählt werden müsse. Denn gerade jetzt sei ein Zusammenhalt in Abbottabad besonders wichtig. „Bin Ladens Haus ist das sichtbarste Zeichen für eine Geschichte, die das Weiße Haus, Islamabad, Kabul, der CIA, der ISI, die pakistanische Armee und die Taliban umfasst. Alle sind miteinander verwoben, alle hängen voneinander ab. Es dauert Jahre, die Wahrheit zu erzählen.“

Erst vor drei Tagen hat der pakistanische Premierminister während eines Zusammentreffens in Paris erklärt, sein Land hätte freie Medien. Nun so fasst der Al Jazeera-Reporter zusammen, würde sich das genau ins Gegenteil verkehren. Die Niederschlagung ausländischer Medien habe begonnen. Mit jeder Hinderung, jeder Verzögerungstaktik würde verhindert werden, dass die ganze Geschichte über bin Ladens Tod und die Beziehungen zwischen den USA und Pakistan, erzählt würde. Beide Regierungen hätten viel zu verlieren, wenn die ganze Wahrheit ans Licht kommen würde. Umso verständlicher aus deren Perspektive, sich zwar gegenseitig helfen zu wollen, aber nicht den Journalisten.

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