Volkszählung: Schaar kritisiert Abfrage der Religionszugehörigkeit

Die Volkszählung "Zensus 2011" soll aktuelle Daten liefern, die eine Grundlage etwa für neue Bauvorhaben darstellen sollen. Aber Kritiker wie der Datenschutzexperte Peter Schaar sehen einige Mängel im System.

Am 9. Mai beginnt der „Zensus 2011„. Anders als 1987 werden diesmal nicht alle Bürger befragt, sondern hauptsächlich Daten aus bestehenden Datenbanken zusammengetragen. Nur zehn Prozent der Einwohner werden direkt befragt. Diese werden zufällig ausgewählt. Hinzu kommen alle Haus- und Wohnungseigentümer. Außerdem werden die Menschen erfasst, die in Gemeinschaftsunterkünften leben.

Die Ergebnisse der Volkszählung sollen für zukünftige Infrastrukturplanungen herangezogen werden: Die bestehenden Daten seien nicht aktuell, die neuen Daten sollen nun Auskunft darüber geben, ob beispielsweise eher Kindergartenplätze, Schulen oder Altenheime benötigt werden, so das Statistische Bundesamt.

Auch nach dem Migrationshintergrund einer Person wird gefragt. Als Personen mit Migrationshintergrund werden „alle nach 1955 auf das heutige Gebiet der Bundesrepublik Deutschland Zugewanderten sowie alle in Deutschland geborenen Ausländer und alle in Deutschland als Deutsche Geborenen mit zumindest einem nach 1955 zugewanderten oder als Ausländer in Deutschland geborenen Elternteil“ definiert.

Zensus 2011

Die Volksbefragung stößt vielseitig auf Kritik: Die Rentenversicherung, die Bundesagentur für Arbeit und die Melderegister sammeln alle Daten, die Auskunft über die deutsche Bevölkerung liefern, eine weitere Erfassung wird daher von vielen als überflüssig angesehen. Der Bundesbeauftragte für den Datenschutz und die Informationsfreiheit (BfDI) Peter Schaar bemängelte gegenüber Nachrichtenagenturen, dass auch Krankenhäuser, Altenheime und Haftanstalten erfasst werden.

Außerdem werde nach Religionszugehörigkeit und Weltanschauung gefragt, womit Deutschland über die von der EU geforderten Mindestanforderungen an die Volkszählung hinaus gehe. Ein weiterer Kritikpunkt: Bürger, für die eigentlich eine Auskunftssperre in den Melderegistern besteht, werden nicht – wie ursprünglich geplant – aus der Zehn-Prozent-Stichprobe herausgenommen. Dies betrifft Männer und Frauen in Zeugenschutzprogrammen, Menschen, die in Adoptionen involviert sind oder Frauen in Frauenhäusern.

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