Entwarnung: Die große Völkerwanderung wird es nie geben

Die Soldaten der Nato sind überfordert, die Politik ahnungslos oder opportunistisch: Die Fakten belegen, dass es niemals eine große, globale Völkerwanderung geben wird. Ein Plädoyer für einen rationalen Humanismus.

Die Tragödie, über die der britische „Guardian“ dieser Tage berichtet hat, muss den Europäern zu denken geben: 61 Menschen sind auf einem Boot im Mittelmeer verhungert und verdurstet, obwohl sie angeblich von Nato-Soldaten aufgespürt worden waren. Niemand half. Weil niemand wollte, niemand konnte?

Vielleicht war die Katastrophe ja wirklich nur eine Folge von Kommunikationspannen und Missverständnissen. Man kann und darf der Nato nicht unbesehen vorwerfen, sie habe fahrlässig gehandelt. Es klingt glaubwürdig, wenn die Militärsprecher sagen, nichts läge ihnen ferner als Hilfeleistungen zu unterlassen. Schon oft genug hat die Nato bewiesen, dass sie zu großen humanitärem Einsatz imstande ist. Nicht jeder Soldat ist automatisch herzlos, ganz im Gegenteil.

Lampedusa, Libyien und überforderte Soldaten

Die meisten Soldaten sind vermutlich gewaltig überfordert. Dies hängt vor allem mit dem gesellschaftlichen Umfeld zusammen. In Europa herrschen erhebliche Ängste vor „Überfremdung“. Aus einigen tausend Flüchtlingen werden in der Fantasie der Verängstigen schnell Millionen barbarischer Horden, die in die europäische Bürgerlichkeit eindringen wollen und den alten Kontinent zum Gottesstaat umbauen wollen. Ähnlich wie die Soldaten sind auch die meisten Politiker überfordert und, wie leider in anderen Bereichen auch, uninformiert.

Ein Blick auf die blanken Zahlen zeigt, dass es niemals zu einer großen Völkerwanderung kommen wird. Studien zeigen: 90% der Weltbevölkerung werden auch in den kommenden Jahren niemals jene Länder verlassen, in denen sie geboren wurden. Nur 2% aller Studenten weltweit studieren außerhalb ihres Heimatlandes. Nur 3% der Gesamtbevölkerung zählt zur ersten Generation von Migranten, leben also dauerhaft außerhalb des Landes, in dem sie geboren worden.

Diese Zahlen belegen, dass irrationale Ängste unangebracht sind. Die nüchternen Fakten sollten in den Kanon des politischen Wissens einfließen, damit die Humanität nicht auf dem Altar der politischen Wahnvorstellungen geopfert wird. Es wird keine Völkerwanderung geben. Wir können zu einer rationalen Politik zurückkehren. Und so jene Werte bewahren, die Europa so lebenswert gemacht haben.

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