Böhmer-Vorschläge stoßen auf Skepsis

Die Bundeskonferenz der Integrations- und Ausländerbeauftragten in München widmete sich ganz der Rolle der Medien. Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Maria Böhmer, kritisierte eine zu negative Berichterstattung über Migranten in Deutschland. Vertreterinnen von SPD und den Grünen halten diese Argumentation für zu kurz gegriffen.

Rund 150 Integrationsbeauftragte haben sich am Montag und Dienstag dieser Woche unter dem Motto „Wahrnehmung und Wirklichkeit – Integrationsland Deutschland“ in München getroffen. Hauptpunkt auf der Tagesordnung war die Rolle der Medien. Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Maria Böhmer (CDU), sagte zu Beginn der Bundeskonferenz der Integrations- und Ausländerbeauftragten von Bund, Ländern und Kommunen: „In den vergangenen Monaten wurde oft pauschalisiert und ein Zerrbild der Integration in Deutschland gezeichnet.“ Bei „allen zweifellos vorhandenen Problemen“, so Böhmer werde zu wenig positiv über gelungene Integration berichtet. Böhmer plädiert für eine größere Anzahl von Migranten in den Redaktionsstuben: „Angesichts der wachsenden Vielfalt in unserem Land brauchen wir mehr Migranten vor und hinter Kameras und Mikrofonen und in den Redaktionen. Durch ihre häufig eigene Migrationserfahrung können sie besonders sensibel auf das Thema eingehen.“

Medienmoral und Integration: „Der Leser ist ein Voyeur“

Martin Neumeyer (CSU), bayerischer Integrationsbeauftragter, schlug in die gleiche Kerbe und ließ verlautbaren, die Berichterstattung über Integration in Deutschland sei „teilweise zu negativ“. Des weiteren fügte er an: „Die Medien dürfen Kriminalität und Arbeitslosigkeit nicht verniedlichen. Aber nur Probleme zu beschreiben, bringt uns nicht weiter.“ Positive Beispiele in den Medien seien rar gesät, so Neumeyer. Etwa das zunehmend bessere Abschneiden junger Migranten bei den PISA-Tests fände leider nur geringe Beachtung.

Isabell Zacharias, Integrationspolitische Sprecherin der SPD in Bayern, hält von diesem Appell an die Medien indes nicht viel. Sie sagte den Deutsch Türkischen Nachrichten: „Der Leser ist ein Voyeur. Er ist nur an dreckigen Geschichten interessiert. Wenn die Zeitungen einen höheren Absatz erzielen, wenn mal wieder ein Jugendlicher mit Migrationshintergrund jemanden niedergeschlagen hat, dann bringen sie auch solche Geschichten.“ Sie sieht vielmehr die Politik stärker in der Pflicht: „Die Medien können sicherlich Motor sein, aber die Politik ist hier gefragt. Es gibt Rundfunkräte, es gibt Medienräte – da kann man gestalten und da ist die Politik der jeweiligen Länder gefragt.“

„Bayern ist in der Integration nicht besser als der Rest“

Zacharias kritisiert die Konferenz insgesamt als Schön-Wetter-Veranstaltung, von der keine konkreten Ergebnisse zu erwarten sind: „Und selbst wenn es konkrete Ergebnisse sind, dann sind die oft Ergebnis des kleinsten gemeinsamen Nenners. Und das wissen wir alle, was der kleinste gemeinsame Nenner ist. Das sind Willensbekundungen.“ Es sei wie immer: „Da kommen keine großen Gesetzesinitiativen.“ Und in Richtung des bayerischen Integrationsbeauftragten: „Wie schön auch solche Konferenzen sind, wie schön, dass Martin Neumeyer als Integrationsbeauftragter sagt, wie toll er das findet. Aber gerade Bayern ist, was Integration angeht, nicht besser als der Rest des schönen Landes.“

Auch für Renate Ackermann, Asyl- und migrationspolitische Sprecherin der Grünen im bayerischen Landtag, ist der Appell Böhmers an die Medien „ein ‚Kopf in den Sand‘ stecken“, wie sie sagt: „Nicht die Berichterstattung ist das Problem, sondern die über Jahre hin entstandenen Defizite bei der Integration.“

Maria Böhmer selbst bezeichnet die diesjährige Bundeskonferenz der Integrationsbeauftragten als „vollen Erfolg“. Gegenüber den Deutsch Türkischen Nachrichten äußert sie: „Die Konferenz hat die Möglichkeit zum Austausch und zur Vernetzung geschaffen. Sie hat gezeigt: Deutschland ist ein Integrationsland. In unserem Land hat das Miteinander einen besonderen Stellenwert. Hier wird Integration vor Ort gelebt!“

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