„Böhmers Appell ist ein ‚Kopf in den Sand‘ stecken“

Renate Ackermann, Asyl- und migrationspolitische Sprecherin der Grünen im bayerischen Landtag, zur medialen Berichterstattung über Migranten, allgemeine soziale Ungerechtigkeit sowie Anregungen für bessere Förderung von Kindern in Deutschland.

Deutsch Türkische Nachrichten: Welche Erwartungen hatten Sie persönlich an die Bundeskonferenz der Integrations- und Ausländerbeauftragten von Bund, Ländern und Kommunen?

Renate Ackermann: Der Erfolg liegt bereits darin, daß mit dieser Konferenz Integration zu einem großen Thema wird. Die gemeinsame Veranstaltung von Bund, Ländern und Kommunen kann zu Synergieeffekten führen und eine verstärkte Zusammenarbeit ermöglichen.

Sowohl die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Maria Böhmer (CDU), als auch der bayerische Integrationsbeauftragte Martin Neumeyer (CSU) haben an die Medien appelliert, die zu negative Berichterstattung über Migranten zu beschränken. Teilen Sie diesen Appell?

Für mich ist dieser Appell ein „Kopf in den Sand“ stecken. Nicht die Berichterstattung ist das Problem, sondern die über Jahre hin entstandenen Defizite bei der Integration.

Wird mit dieser Argumentation nicht der schwarze Peter aus der politischen Hand den Medien zugeschoben?

In gewisser Weise schon, denn bei einer gelungenen Integration gäbe es deutlich weniger negative Schlagzeilen.

„Angebote sind nicht für alle Menschen in diesem Land offen.“

Was können die Medien grundsätzlich in der Berichterstattung über Migranten verbessern? Wie soll man beispielsweise über Kriminalität berichten, ohne gleich pauschal das Bild des kriminellen Migranten zu schaffen?

Gewisse Medien sollten die Tatsache, dass es sich um Migranten handelt, nicht instrumentalisieren. Die Tatsache, dass Kriminalität oft soziale Hindergründe hat, wird vernachlässigt.

Medien sollten stärker über „gelungene Integration“ berichten, so der Wunsch von Böhmer. An welchen beispielhaften Bericht über Migranten aus der jüngeren Vergangenheit erinnern Sie sich?

„Sie kennen kein Heimweh“ – Ein Bericht über das Schlau-Projekt in München.

Welche Art von Berichterstattung über Zuwanderer ist Ihnen (i.S. der Argumentation von Frau Böhmer und Herrn Neumeyer) vielleicht besonders sauer aufgestoßen?

Zustimmende Kommentare zu Thilo Sarrazins Machwerk.

Was halten Sie von der Idee des bayerischen Integrationsbeauftragten Martin Neumeyer (CSU), Eltern mit Migrationshintergrund in speziellen Kursen darin zu schulen, ihre Kinder besser zu unterstützen?

Wir brauchen allgemein eine bessere Unterstützung der Eltern, das Problem der mangelnden „Erziehungsfähigkeit“ ist kein spezielles Phänomen der Migranten. Dass Angebote für alle Menschen in diesem Land offen sein sollen, aber nicht sind, ist das eigentliche Problem. Die Forderung mehr MigrantInnen einzustellen gilt auch bei Beratungsangeboten.

Sehen die Grünen ein ähnliches Modell vor? Oder wie kann man Kinder mit Migrationshintergrund in der Bildung unterstützen?

Kinder brauchen Kindertagesstätten und Schulen mit mehr und besser ausgebildetem Personal, dann kann individuell gefördert werden und auch Sprachdefizite werden rechtzeitig behoben. Je früher Kinder in Kindertagesstätten kommen, desto besser. Lieber früh investieren, als später reparieren.

FK/LR

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