22. August 2011: So können die Netz-Sperren umgangen werden

Die türkische Internetbehörde BTK will am 22. August 2011 mehrere elektronische Filter einbauen, um so Kinder und Jugendliche vor Gewalt oder Pornographie zu schützen. Gegner befürchten einschneidende Zensurmaßnahmen und geben Tipps, wie die Netz-Sperren künftig zu umgehen sind.

Das Blog „bestvpnservice.com“ hat die Tipps gesammelt und ausgewertet. Die Ankündigung einer Internet-Zensur und Filterung in der Türkei habe in der Internet-Community des Landes immense Wut und Zorn erregt, heißt es hierzu einführend. Die User sähen das als eine Verletzung ihrer Grundrechte auf Freiheit des Internets an. Daher hätten türkische Internetnutzer eine Reihe von Protestaktionen gegen das Verbot innerhalb der Social Networks und auf den Straßen ins Leben gerufen. Diese hätten mit dem 3. Mai begonnen, als die Leute beobachteten, dass der bis dato seltsam anmutende Hashtag #22agustos zu einem echten Trend-Thema auf Twitter avancierte. Zu diesem Zeitpunkt habe allerdings keiner gewusst, was sich hinter diesem Stichwort verbirgt. Auch dem Autor sei es so ergangen. Schnell habe er alle nötigen Informationen zusammengetragen und seinen ersten Protestbeitrag gepostet. Schnell machte der die Runde – mehrere Tausend Leser binnen 24 Stunden.

Welche Methoden funktionieren: Von Proxy bis VPN

Neben reinen Protestzeilen hätten sich die User jedoch auch gegenseitige Tipps geliefert, wie solche Filter zu umgehen seien. Aus China, dem Iran und einigen anderen Ländern des Nahen Ostens seien, so der Autor, diese Methoden schließlich nicht ganz unbekannt.

Proxy-Server: Das Urteil des Blogger – zu unsicher

Da diese Methode auch bei den Behörden einen hohen Bekanntheitsgrad habe, könne sie in der Regel durch diese auch geblockt werden. Für die Türkei erwartet der Experte im Übrigen selbiges. Eindringlich warnt er zudem vor einer solchen Nutzung, da hierbei auch die eigenen Daten wie Passwörter oder Kreditkarteninformationen gefährdet wären. Abgesehen davon sei auf diesem Weg nur ein sehr langsames Surfen im Internet möglich. An das Ansehen von Videos sei gar nicht zu denken. Außerdem gelte es dringend zu vermeiden, Passwörter oder sonstiges einzugeben.

DNS: Das Urteil des Bloggers – eine eher zweifelhafte Methode

Die Nutzung von DNS-Software (Domain Name System) oder die Veränderung der eigenen DNS-Einstellungen, um türkische Netz-Sperren zu umgehen, sei nicht möglich. Bei dieser Methode werden Seiten, nicht wie gewohnt über www.example.com angewählt, sondern über bestimmte IP-Adressen. Die türkischen Behörden würden allerdings die  IP-Adressen in Paketen sperren und nicht individuell. Wenn die angewählte IP also gesperrt ist, sei definitiv kein Zugang mehr möglich.

Spiegelseiten: Das Urteil des Bloggers – Vergiss‘ diese Methode!

Unter Spiegelseiten verstehe man exakte Kopien derjenigen Internetseiten, die in einem bestimmten Land gesperrt sind, erklärt der Autor. Diese würden nun jedoch in einer anderen Region unter einer anderen URL geführt. Es stelle sich jedoch die Frage, wie viele dieser Spiegelseiten eigentlich existieren. Das gesamte Internet zu spiegeln erscheine ohnehin ein Ding der Unmöglichkeit. Ein weiterer Nachteil: Die Präsenzen würden oftmals nicht in Echtzeit aktualisiert. Teilweise seien die Versionen Monate oder gar Jahre alt.

Der Blogger hält fest, dass Spiegelseiten  eine Option sein könnten, jedoch nur, wenn sie regelmäßig auf den neuesten Stand gebracht werden (das geschieht in der Regel nicht) und einen hohen öffentlichen Bekanntheitsgrad besitzen (was ebenfalls nicht der Fall ist).

Tor: Das Urteil des Bloggers – leicht zu sabotieren

Tor, eine Software sowie eine Art Netzwerk bestehend aus einzelnen Rechnern, ist in den Augen des Bloggers eine großartige Methode, um Netz-Sperren zu umgehen und gleichzeitig anonym im Netz zu surfen. Eine Methode, die gerade im Iran gerne genutzt werde. Doch auch hier, warnt er, gäbe es Schlupflöcher. So hätten die iranischen Behörden die Möglichkeit, Daten abzufangen und die durchgehenden Daten zu identifizieren. Darüber hinaus sei auch hier weder Video-Streaming noch alles andere, was mit großen Datenmengen einhergeht, möglich.

Ohne Zweifel sei Tor nicht die schlechteste Möglichkeit, die jedoch leicht sabotiert werden könne. Für den Transfer privater Daten scheidet Tor ohnehin aus.

VPN: Das Urteil des Bloggers – das kann für die Türkei die Lösung sein

Als VPN bezeichnet man ein „Virtual Private Network„, doch trotz seiner revolutionären Natur sei es beim Gros der User noch weitestgehend unbekannt. Im Prinzip werde den User hier eine IP zum Beispiel aus den USA, Großbritannien oder Australien zugeteilt, mit der er sich ungehindert in der freien Internetwelt bewegen kann. Doch diese Art des Surfens habe seinen Preis. Das, so der Autor, lohne sich aber in der Tat. Immerhin erhalte man uneingeschränkten Zugang. Auch die Sicherheit der eigenen Daten sowie die Geschwindigkeit leide nicht. Den Behörden, abgesehen von einem Fall in China, sei diese Methode zudem noch nicht wirklich bekannt. Der Blogger rät SSTP VPN zu nutzen. PPTP, L2TP und OpenVPN würden es ebenso tun.

VPN könne für die Türkei eine praktische Lösung sein. Man müsse nur wissen, wie sie anzuwenden ist – und das sei ziemlich einfach.

Mehr zum Thema:

22. August 2011 – Tod des freien Internets in der Türkei?

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