Frauenbeschneidung – Nimmt die blutige Tradition eine neue Wende?

Mehr als vier Jahrzehnte lang haben westliche Institutionen gegen das grausame Ritual der weiblichen Genitalverstümmelung gekämpft. Mit geringem Erfolg. So genannte Grasswurzel-Bewegungen vor Ort haben sich zwar als effektiv erwiesen. In Somalia wird jedoch nun ein ganz anderer Ansatz versucht.

Anstelle den Frauen rigoros zu sagen: „Nein, das dürft ihr euren Töchtern nicht antun!“ versuche man sie dazu zu bringen „mildere“ Formen der Genitalbeschneidung anzuwenden, berichtet Nicholas D. Kristof für die „New York Times“. Dabei werde oftmals „nur“ noch die Klitoris ganz oder in Teilen entfernt. Die Schamlippen blieben hingegen unangetastet und auch das Zunähen bis auf eine kleine Öffnung für Blut und Urin entfalle.

In Somalia sei man der Überzeugung, dass dieser Ansatz ein großer Schritt nach vorn und zudem leichter durchzusetzen sei.

Frauenbeschneidung ist nicht mit dem Islam vereinbar

Obwohl es durchaus auch Christen gäbe, die ihre Töchter beschneiden ließen, so sei diese Praxis doch vor allem unter Muslimen verbreitet. Diese würden oftmals annehmen, dass diese Tradition islamischen Ursprungs sei. Ein entscheidender Schritt müsse daher sein, muslimische Führer, deren Stimme in der muslimischen Community großes Gewicht hat, dazu zu bewegen, die Frauenbeschneidung als nicht mit dem Islam im Einklang zu verurteilen.

Abdelahi Adan, Imam in der abgelegenen Stadt Baligubadle, erklärte hierzu bereits: „Vom religiösen Standpunkt aus betrachtet, ist das verboten. Es ist gegen den Islam.“ Auch die Beschneiderin des Ortes, Mariam Ahmed, hatte, dem ersten Anschein nach, eine geistige Kehrtwende vollzogen: Sie gab an, damit aufgehört zu haben, Mädchen derart zu verstümmeln. Später räumte sie jedoch ein, lediglich eine mildere Form zu praktizieren.

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