Deutsch-türkische Freundschaft mal anders: Bürger stoppen rot-weißes Fahnenmeer

Der an diesem Samstag stattfindende Festakt zur Ankunft der ersten Türken in Deutschland vor 50 Jahren in Würzburg hat einen faden Beigeschmack erhalten. Auf Grund zahlreicher Bürgerbeschwerden musste das ursprüngliche Meer an türkischen Flaggen drastisch reduziert werden.

Groß feiert der Ausländer- und Integrationsbeirat der Stadt Würzburg zusammen mit dem Institut für Kultur-, Geschichts- und Integrationsstudien und dem DITIB-Kulturverein die Ankunft der Türken in der Bundesrepublik vor 50 Jahren.  Während des Festaktes soll die Migrationsleistung der Würzburger Bürger und der in der Weltkulturerbestadt lebenden Türken über die vergangenen Dekaden hinweg gewürdigt werden. Jetzt überschattet eine andere Debatte den freudigen Anlass.

Reaktionen aus dem fremdenfeindlichen Milieu Würzburgs

Erst am vergangenen Mittwoch hatten Landsleute, auch unter Anteilnahme türkischer Medien, 50 rot leuchtende Fahnen mit einem weißen Halbmond in der Fußgängerzone der Mainfrankenmetropole gehisst. Das Ordnungsamt der Stadt hatte die Beflaggung ursprünglich genehmigt. Einen Tag bevor gemeinsam dem historischen Ereignis gedacht werden sollte, veranlasste Oberbürgermeister Georg Rosenthal jedoch die Dezimierung des Flaggenmeers. Das Stadtoberhaupt bezeichnete die Begrüßungsgeste als unverhältnismäßig und erklärte: „Das ist zuviel des Guten.“ Seiner Ansicht nach sei mit diesem „überschwänglichen Fahnenaufgebot“ der deutsch-türkischen Freundschaft nicht gedient.

Im Vorfeld der Aktion waren zahlreiche Beschwerden bei der Stadt eingegangen. Darunter seien, so der Bürgermeister weiter, auch Reaktionen aus dem fremdenfeindlichen und rechten Milieu gekommen, „die mit Blick auf das Fahnenmeer diffuse Ängste schüren wollen“. Die jetzige Lösung bezeichnet er als „harmonischen Ausdruck von Brüderlichkeit„.

Enttäuschung bei Antragsteller und Organisatoren

Beim Antragsteller Antonino Pecoraro, Vorsitzender des Ausländer- und Integrationsbeirats der Stadt Würzburg, löst das Abhängen der Fahnen hingegen Kopfschütteln aus. In Anbetracht von nur noch fünf türkischen Fahnen, die im Wechsel mit fünf deutschen Flaggen die Schönbornstraße zieren, erklärt er: „Es wurde mir geschrieben, dass das Ganze nicht als gut gefunden wird und dass einige Stätten hier beschmutzt werden. Wir haben nicht damit gerechnet, dass es einen solchen Aufruhr geben wird. Die Intention, solche Fahnen aufzuhängen, war und ist, das Abkommen zwischen Deutschland und der Türkei zu würdigen.“

Auch der deutsch-türkische Journalist Latif Celik, einer der Organisatoren des deutsch-türkischen Kongresses und Festakts ist enttäuscht: „Unsere Leute sind ein bisschen traurig.“ Sie hätten niemanden provozieren wollen. Am Donnerstag habe Rosenthal Würzburg gegenüber einer Heimatzeitung noch als „vielfältige Integrationsstadt“ gerühmt.

Der lokale TV-Sender TVtouring berichtet über die Ereignisse. Der Pressesprecher der Stadt, Georg Wagenbrenner kommt ebenso zu Wort wie einige Passanten. Die nahmen das Fahnenmeer eigentlich gelassen.:

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