Tausende protestieren gegen Netz-Filter in der Türkei

Nicht nur im Internet, auch auf den Straßen der Türkei ist es am Wochenende zu zahlreichen Protestaktionen gegen die geplanten Web-Filter gekommen, die ab dem 22. August aktiv werden sollen. Gegner des Vorhabens befürchten, dass das Land so zu einem der meist zensierten Plätze der Welt werde.

Tausende Menschen haben sich, vor allem in der Metropole Istanbul, öffentlich gegen die Zensur ausgesprochen. Auch in der Hauptstadt Ankara gingen die Bürger auf die Straße. Ingesamt soll es in gut 40 Städten zu Protestkundgebungen gekommen sein.

Mehr als eine halbe Million User versammeln sich im Internet

Die Internetbehörde BTK sieht an diesem Datum die Einführung mehrerer Filter vor. In Folge dessen sollen die Internet-User einen vor vier wählbaren Filtern anwenden müssen: „Familie“, „Kinder“, „Haushalt“ und „Standard“. Je nach Kategorie werden so bestimmte Webseiten unzugänglich gemacht. Als Intention gibt die BTK an, damit vor allem Kinder vor bestimmten Inhalten  wie Gewalt oder Pornographie schützen zu wollen.

Schon vor dem Gang auf die Straße hatten sich die Gegner im Internet organisiert. So versammeln sich derzeit Hunderttausende im Rahmen von Facebook, um ihren Protest auszudrücken. Insgesamt wird die Zahl der Anhänger innerhalb von Sozialen Netzwerken auf rund 600.000 geschätzt. Auch die Aktionen am Sonntag, bei denen unzählige Menschen Banner mit Slogans wie „Hände weg vom Internet“ in die Höhe hielten oder „Das Internet ist alles für uns“ riefen, wurden über Facebook, Twitter und Emails organisiert.

Emrah Erdoğan hält Web-Filter für „rechtswidrig“

Unter den Demonstranten in Ankara befand sich auch der bekannte türkische Sänger Emrah Erdoğan. In einer Ansprache an die Protestierenden stellt er die Bedeutung des Internets heraus. Der freie Zugang sei in seinen Augen ein Menschenrecht. Diesen zu beschränken sei ein Angriff auf die Freiheit. Das Vorhaben der BTK sei daher „rechtswidrig“ und „willkürlich“.

Das Umgehen der von der BTK bestimmten Filter soll künftig unter Strafe stehen. Außerdem ist vorgesehen, dass sich alle Internetnutzer mit einem Kennwort anmelden müssen. Doch auch in dieser Hinsicht ist das Netz bereits aktiv und sammelt eifrig Methoden, wie die Sperren doch umgangen werden könnten.

Ein User hat das Geschehen in Istanbul dokumentiert:

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