Generationswechsel: Milli Görüş mit neuem Vorsitzenden

Auf der vierten Vollversammlung der IGMG in Duisburg wurde Kemal Ergün zum neuen IGMG-Vorsitzenden gewählt. In seiner Antrittsrede nahm er alle muslimischen Mitbürger in die Pflicht. Sie müssten ihren Beitrag zur Gesellschaft leisten, in der sie leben.

Unter der Versammlungsleitung von Ramazan Uçar, Vorsitzender des IGMG-Landesverbands Hamburg, wurde der von vielen Regionalverbands- und Gemeindevorsitzenden als Kandidat vorgeschlagene Kemal Ergün zum neuen IGMG-Vorsitzenden gewählt.

In seiner Antrittsrede dankte er seinem Vorgänger Yavuz Çelik Karahan für seine langjährigen Dienste und kam auf die Stellung der Muslime in Europa zu sprechen. Diese müssten sich seiner Meinung nach nicht als Migranten fühlen. Er erinnerte an die muslimische Präsenz in Europa in Andalusien, Sizilien und zur Zeit des Osmanischen Reiches. „Wir haben die Verantwortung, zu unseren historischen Wurzeln zurückzukehren. Doch dabei müssen wir aus der Gegenwart in die Zukunft blicken, nicht aus der Vergangenheit. Unsere Geschichtsdeutung legt die Grenzen unseres Horizonts fest. Eine gesunde Beziehung zu unserer Vergangenheit wird in einer positiven Zukunft resultieren“, so Kemal Ergün.

„Türkischstämmige Migranten sind längst keine Gäste mehr.“

In den vergangenen 50 Jahren habe die Gewährleistung der religiösen Grundbedürfnisse bei den Arbeiten der IGMG im Vordergrund gestanden. Heute kämen zu diesen Aufgaben viele neue hinzu. Denn, so erklärt er weiter: „Türkischstämmige Migranten sind längst keine Gäste mehr. Heute wird dies
von nahezu allen akzeptiert. Daher gibt es viele Dimensionen der Islamdebatte und der Diskussionen über die Muslime in Europa. Unsere Pflicht ist es, Lösungen für diese Debatten zu finden, die mit unserer islamischen Identität im Einklang stehen. Wir müssen uns bemühen, Missverständnissen über den Islam entgegenzuwirken.“ In Europa würden die Menschen den Islam nicht auf direktem Wege kennen lernen. Sie blickten durch die Brille, die den Islam mit Terror gleichsetzt. Aus diesem Grund sei es als Muslim eine Pflicht, auch zur Kultur und Kunst der Gesellschaft, in der man lebe, beizutragen und die Bevölkerung vertrauter mit dem Islam zu machen.

Ergün betont: „Es ist unsere Pflicht, für Vielfältigkeit einzustehen und uns gegen die zunehmende Vereinheitlichung zu stellen, Vielfältigkeit als Gewinn zu betrachten und Europa mit der islamischen Kultur vertraut zu machen. Diesen Pflichten müssen wir auf die beste Art und Weise nachkommen.“Auf keinen Fall dürften sich die Muslime von aktuellen Diskussionen und sich wiederholenden Polemiken entmutigen lassen, appellierte Kemal Ergün.

IGMG trägt große gesellschaftliche Verantwortung

Milli Görüş, so kündigte er an, werde seinen Fokus auf Dienstleistungen legen. „Unsere Tätigkeiten in den Bereichen Familienberatung, Bildungszentren,
Studentenwohnheime, Rat für religiöse Fragen, Zentren für Imam-Ausbildung,
Akademie für Leiter und Öffentlichkeitsarbeit werden zunehmen. “ Damit die
Muslime in Europa in der Zukunft ihre islamische Identität bewahren und den
nachfolgenden Generationen vermitteln könnten, käme der IGMG seiner Meinung nach eine große Verantwortung zu.

Zur Person:

Der neue IGMG-Vorsitzende Kemal Ergün kam 1967 in der türkischen Stadt Ordu zur Welt. Nach einem Studium an der Universität Istanbul studierte Ergün an der Al-Azhar Universität in Ägypten Hadithwissenschaft und machte seinen Abschluss im Jahre 1992. Im Jahr darauf begann er seine Tätigkeit als Imam in Frankfurt. Nach 1994 war er als Imam und Vorstandsmitglied im Regionalverband Rhein-Neckar-Saar tätig. Seit 2002 war er als Regionalverbandvorsitzender in Köln tätig. 2003 übernahm er den Posten des Hadsch-Leiters. Zuletzt legte Kemal Ergün seine Masterarbeit über Deutschlands Migrations- und Integrationspolitik an der Anadolu Universität ab.

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