Gülen-Schulen zwischen Lob und Zweifel

Das Dialog-Gymnasium im Kölner Stadtteil Buchheim hatte als erste Einrichtung ein Ganztagsangebot vorzuweisen. Doch die Etablierung eines privaten Schulzentrums durch den Trägerverein Türkisch-Deutscher-Akademischer Bund e.V. ist umstritten. Denn der gehört zur Bewegung des türkischen Religionsgelehrten Fethullah Gülen. Die "Welt" widmet sich dem Thema in einem Artikel.

„Ist der islamische Betreiber eine gefährliche Sekte – oder eine muslimische Gruppe, wie man sie sich stets gewünscht hat?“, fragt sich die „Welt“ mit Blick auf das Vorhaben in der Domstadt und zitert Diplomkaufmann Saraç, der sich als Vorsitzender des Trägervereins Türkisch-Deutscher-Akademischer Bund e.V. nach Feierabend um die Geschicke der Schule kümmert: „Als Schule wollen wir ein Teil des gesellschaftlichen Lebens vor Ort sein.“

Dass die Islamkritikerin Necla Kelek das jedoch ganz anders sieht, führt auch das Springer-Blatt an: Für sie ist Gülens Bewegung die „einflussreichste politisch-religiöse Geheimorganisation“ der Türkei – eine „Sekte mit Konzernstruktur“, betont aber, ihre Einschätzung werde nicht von allen geteilt. Die deutschen Sicherheitsbehörden sähen keinen Anlass zur Sorge. Das Kölner Bundesamt für Verfassungsschutz sei ebensowenig beunruhigt wie das Düsseldorfer Schulministerium. Immerhin: Auf das deutsche Recht, Privatschulen mit eigenem religiösem Schwerpunkt zu betreiben, würden die Gülen-Schulen sogar verzichten. Hier würden deutsche Lehrpläne, von deutschen Lehrern umgesetzt werden. Islamunterricht – Fehlanzeige.

Gülen: „Baut Schulen statt Moscheen.“

Fakt sei, die Gülen-Bewegung, die das Eintreten für Toleranz und Demokratie predigt, befinde sich auf dem Vormarsch. Medienhäuser, Bildungseinrichtungen, Versicherungen, eine Bank würden bereits betrieben. Bis zu 30 Universitäten sollen, nach Gülens Vorgabe „Baut Schulen statt Moscheen“, weltweit gegründet werden.

Sekte oder Förderung des interkulturellen Dialogs?

Zweifel jedoch blieben: Oft werde in Deutschland von einer Sekte gesprochen, hin und wieder tauchten gar Gerüchte über lebenslange Treueschwüre der Fethullahçi und drakonische Strafen für Abtrünnige auf. Beweise dafür gebe es allerdings nicht. Demgegenüber stünden Lobesworte für die Bedeutung der Bewegung für den interkulturellen Dialog. So erinnere der Versuch der Gülen-Bewegung, religiöse Identität mit Bildung und Integration in die säkulare Umwelt zu verbinden,  an die Entwicklung des liberalen Judentums im 19. Jahrhundert.

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