Integration: Haben uns die Asiaten nichts zu sagen?

Im neuen Bundesbeirat für Integration sind die Asiaten nicht vertreten. Sicher nur ein Versehen. Dennoch schade: Denn die Welt endet nicht am Balkan und auch nicht am Bosporus.

Es scheint als gäbe es keine Zwischentöne: Integrationspolitik erweist sich in Deutschland immer wieder als Enttäuschung. Die jüngste ist die Bestellung des Beirats zu Integration. Die Berufungen in dieses Gremium erfolgten durch die Staatsministerin Maria Böhmer. Wenn man sich die Besetzung ansieht, hat man den Eindruck: Hier geht es nur um Taktik. Etliche Freunde der Ministerin finden sich darin. Auch viele anerkannte Fachleute. Und einige Türken. Aber kein einziger Asiat: Vietnamesen, Inder, Japaner, Chinesen, Koreaner – Fehlanzeige. In einem Brief protestiert Martin Hyun gegen dieses Versäumnis. Hyun ist Top-Experte in Integrations-Fragen. Der Deutsch-Koreaner ärgert sich zu Recht. Seine Argumente sind stichhaltig.

Die Asiaten leben unauffällig in Deutschland. Gerade deswegen verdienen sie Beachtung. Gelungene Integration heißt: Es wurden nicht bloß die schlimmsten Konflikte verhindert. Sondern: Vielfalt ist eine echte Option auch für Deutschland. Alle können davon profitieren – vor allem im Prozess der politischen Meinungsbildung. Je mehr unterschiedliche Kulturen an einem Tisch – umso besser!

Leider scheinen die Politiker gefangen in ihren eigenen Zwängen: Zu oft schon wurden Gremien zur individuellen Profilierung missbraucht. So gelang es dem neuen Innenminister Hans-Peter Friedrich, die Islamkonferenz ad absurdum zu führen. Er nutzte die Bühne, um sich als Hardliner gegen jene zu positionieren, mit denen er eigentlich sprechen sollte.

Frau Böhmer kann man dies sicher nicht vorwerfen. Doch erweckt die Besetzung des Beirats den Eindruck, als ginge es in Integrationsfragen vor allem um die möglichst geschickte Berücksichtigung von unterschiedlichen Befindlichkeiten. So wird es in einem weiteren Gremium endlose Debatten über Themen geben, die kaum einer versteht. Am Ende ist erst recht keiner zufrieden. Dann sitzen sie nach der Sitzung frustriert beim Chinesen um die Ecke und hadern mit Deutschland und der Welt.

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