Gastarbeiter in den Medien: Eine negative Bilanz

Deutsche Medien berichten nicht immer sachlich über Integration – dabei sollten sie sich ihrer Verantwortung stellen.

Vor 50 Jahren unterzeichneten die Türkei und Deutschland das Anwerbeabkommen. Die Initiative ging von der Türkei aus. Sie hatte dabei im Wesentlichen zwei Interessen: Zum einen erhoffte man sich durch die Rückkehr der in Deutschland mit moderneren Produktionstechniken vertraut gewordenen Arbeitskräfte einen Know-How-Transfer. Zum anderen sollte durch die monetären Überweisungen der Gastarbeiter in die Türkei das Handelsbilanzdefizit der Türkei im Handel mit Deutschland durch Überschüsse in der Übertragungsbilanz kompensiert werden, um die türkische Leistungsbilanz Deutschland gegenüber auszugleichen. Seit einem halben Jahrhundert also leben die damals sogenannten Gastarbeiter nun in Deutschland.

Entwicklungen im Bereich des materiellen Wohlstands können statistisch nachgewiesen werden. Aber auch in anderen Bereichen kann beobachtet werden, dass die Migranten sich strukturell immer besser integrieren. Vielfach beobachten wir, dass aus Gastarbeiterkindern erfolgreiche IT-Experten, Journalisten, Politiker, Ingenieure und Unternehmer geworden sind.

Vor diesem Hintergrund spielen deutsche, türkische und auch deutschtürkische
Medien eine immer bedeutendere Rolle. Medien stellen nicht nur den sozialen Wandel dar, sondern beeinflussen gesellschaftliche Realitäten fundamental, aus denen eine gemeinsame Basis für soziales Handeln entstehen kann. Die Einwanderung von Türken in die Bundesrepublik Deutschland und ihre daraus resultierenden Konsequenzen für die Gesellschaft ist nach wie vor ein äußerst kontrovers diskutiertes Thema. Dabei folgen die Diskussionen zum Teil nicht den Regeln der Sachebene und rationaler Argumentation, sondern bedienen
auch populistische Motive. Es werden Bedrohungsszenarien entworfen, die einer empirischen Überprüfung meist nicht stand halten.

Innerhalb der öffentlichen Debatte über Risiken, Chancen und Aufgaben der Einwanderung sind statt wechselseitiger Akzeptanz und dialogischen Strukturen zwischen Aufnahmegesellschaft und Migrantengruppen mitunter auch deutliche Signale von latenter oder offener Xenophobie zu finden.

In diesem Diskurs stellen die Medien einen eigenen, in seiner Wirkung nicht zu unterschätzenden Faktor dar. Betrachtet man die inhaltliche Berichterstattung
deutscher Presseorgane zum Thema Integration, fällt die Bilanz eher negativ aus. In Beiträgen über Menschen nichtdeutscher Herkunft wird nicht nur in den Boulevardblättern diskriminiert, sondern nicht selten auch in den sogenannten
Qualitätsmedien. Eine Grundlage für den Integrationsprozess in Deutschland bildet das Erlernen der Sprache der Mehrheitsgesellschaft, die auch durch entsprechende Medienrezeption vermittelt werden kann. Der Grad der Integration dürfte dementsprechend davon abhängen, dass auch durch die Art und Weise des Medienkonsums durch Deutsch-Türken in Deutschland ihre Willigkeit und ihre Fähigkeit zu Integrationsleistungen beeinflusst werden. Hier ist von Bedeutung, welche medienspezifischen Arrangements die Orientierung und Integration von Einwanderern begünstigen bzw. behindern.

Auf der Website archiv.deutsch-tuerkische-nachrichten.de bemühen wir uns um eine tagesaktuelle, unabhängige und neutrale Berichterstattung. Wenn Menschen voneinander wissen, verstehen sie sich besser. Die Deutsch Türkischen Nachrichten wollen dazu einen Beitrag leisten.

Ercan Karakoyun

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