Fehlalarm: Flugverbot wäre nicht nötig gewesen

Die Sperrung einiger Flughäfen hierzulande dauerte nur einige Stunden. Dennoch, heute bekanntgewordene Messwerte über die Dichte der Vulkan-Aschewolke über Skandinavien und Norddeutschland lassen zu dem Schluss kommen, dass diese Vorsichtsmaßnahme eigentlich nicht nötig gewesen wäre.

„Die Daten legen nahe, dass es vermutlich nicht erforderlich gewesen wäre den Luftverkehr so stark einzuschränken“, berichtet der „Deutschlandfunk“ am frühen Abend. Höchstwahrscheinlich seien durch den Ausbruch des Vulkans Grimsvötn nie Staubpartikelkonzentrationen erreicht worden, die als gefährlich für Flugzeugtriebwerke angesehen hätten werden können.

Bezugnehmend auf das norwegische Institut für Luftforschung in Oslo, wo bereits am Dienstag gemessen und analysiert wurde, ist von sehr geringen Konzentrationen die Rede. Aus Sicht eines Institutsexperten „war es nicht gerechtfertigt so lange für den Flugverkehr zu sperren“. Auch in anderen Teilen Europas, wie in Stockholm, Leipzig und in Schleswig-Holstein, sei mit speziellen Instrumenten gemessen worden. Im höchsten Fall seien hierbei 0,5 Milligramm Staub pro Kubikmeter Luft beobachtet worden. „Flugverbote sollten eigentlich erst ab zwei Milligram pro Kubikmeter erlassen werden“, erläutert der „Deutschlandfunk“. Sprich, bei Werten, die viermal so hoch seien.

Nördliche Aschewolke nicht mehr als ein „Hirngespinst“

Nach den Strömungsmodellen hätte sich die Vulkanasche aus Island in zwei Arme aufgeteilt. Einen nördlichen, der einen bogenförmigen Kurs um Skandinavien nehme und einen südlichen mit Richtung Schottland. Beide hätten angeblich zu hohe Konzentrationen aufgewiesen. Dabei könnte sich der nördliche Ausläufer nun als „Hirngespinst“ erweisen. Laut norwegischem Experten enthalte er nämlich überhaupt keine Asche. Vielmehr soll es sich um eine große Schwefeldioxid-Fahne handeln, die weder Asche beinhalte, noch sich in der Nähe der Erdoberfläche befinde.

Insgesamt könnte der Ascheausstoß also um den Faktor fünf bis zehn überschätzt worden sein, so die Vermutung der Forscher. „Nach den Messdaten, die nun vorliegen, hat der Grimsvötn zu einem bedauerlichen Fehlalarm im europäischen Luftverkehr geführt.“

Behörde muss sich auf Modellrechnungen verlassen

Diese Einschätzung teilt auch Dr. Albert Ansmann Leibniz-Institut für Troposphärenforschung in Leipzig. Gleichzeitig nimmt er jedoch die Politik in Schutz, die sich vor allem auf die Modellrechnungen gestützt hätte. Wenn diese vorhersagen, dass die Schwellwerte überschritten werden, dann müsse die Behörde auch reagieren.

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