Kriegsverbrecher Mladic: Anhörung abgebrochen, Anhänger randalieren

Nachdem der bosnische Kriegsverbrecher Ratko Mladic am Donnerstag in Serbien verhaftet wurde, musste am Abend eine Anhörung vor Belgrader Sondergericht abgebrochen werden. Der 69-jährige Ex-Militärchef präsentierte sich in schlechter gesundheitlicher Verfassung. Zahlreiche Anhänger randalierten in der Nacht.

Seine  Festnahme rief kurze Zeit später auch zahlreiche Anhänger auf den Plan. Sie zeigten sich wütend über das Geschehen und erklärten, man habe „ihren Helden“ verhaftet. Im Zentrum von Belgrad wurden Flaggen geschwungen und Lieder zu seiner Unterstützung gesungen. In der Nacht randalierten rund 500 von ihnen nahe der Provinzhauptstadt Novi Sad. Es soll zwei Verletzte gegeben haben. Die serbische Polizei verhängte darauf hin ein Versammlungsverbot. Die Wachen wurde verstärkt.

Bereits am heutigen Freitag muss der mutmaßliche Kriegsverbrecher Ratko Mladic, der sich am Vortag während einer Stunde nur wirr äußerte, erneut vor Gericht erscheinen. Die Vernehmung, die zuvor durch seinen Anwalt Milos Saljic abgebrochen wurde, soll dann von einem Untersuchungsrichter in Belgrad fortgeführt werden. Noch einmal soll er sich dann zur Anklage des Kriegsverbrechertribunals in Den Haag äußern können.

Sonderstaatsanwalt Vekaric hält Mladic für vernehmungsfähig

Ob er nach 16 Jahren auf der Flucht ans Haager UNO-Kriegsverbrechertribunal ausgeliefert werden kann, entscheidet nun ein Ermittlungsrichter. Das Auslieferungsverfahren selbst soll eine Woche dauern. Der stellvertretende Sonderstaatsanwalt für Kriegsverbrechen Bruno Vekaric zeigte sich vom Gesundheitszustand Mladics unbeeindruckt. Seiner Ansicht nach habe er „sehr rational“ reagiert.

Unterdessen scheinen die Medien seinen schlechten Gesundheitszustand mit am Freitag veröffentlichten Bildern Mladics zu bestätigen. Er wirkt eingefallen und zeige starke Demenzerscheinungen, heißt es in serbischen Zeitungen. Sein rechter Arm soll nach einem Schlaganfall steif geblieben sein. Mit den letzten Fotos, die zehn Jahre zurück liegen, sollen diese Szenen jedenfalls nichts mehr gemein haben.

Mladic wurde in einem Dorf im Norden Serbiens gefunden. Dort hatte er sich unter falschem Namen aufgehalten. Er wird verantwortlich dafür gemacht, das Massaker von mindestens 7.500 bosnisch-muslimischen Männern und Jungen in Srebrenica im Jahr 1995 angeordnet zu haben. Er war der prominenteste bosnische mutmaßliche Kriegsverbrecher auf freiem Fuß seit der Verhaftung von Radovan Karadzic im Jahr 2008.

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