Opfer Mladics: Der Fall Milosevic darf sich nicht wiederholen

Mit Erleichterung und Genugtuung reagieren Muslime auf die Festnahme des mutmaßlichen Kriegsverbrechers Ratko Mladic. Sie fürchten jedoch einen ähnlichen Ausgang wie im Fall Slobodan Milosevics. Der war 2006 in Haft verstorben.

„Die Gerechtigkeit hat gesiegt“, kommentierte Semir Guzin, Rechtsvertreter der Vereinigung „Mütter von Srebrenica“, gegenüber der BBC die Festnahme mit der seiner Meinung nach allein schon viel erreicht sei. „Zumindest haben wir die Hoffnung, dass Mladic bekommt, was er verdient.“

Furcht vor einem Mladic-Prozess ohne Urteil

Die bosnische Muslimin Kada Hotic, deren Sohn und Ehemann damals ums Leben kamen, ist immer noch zornig darüber, dass die Erfassung Mladics so viele Jahre gedauert hat. „Die ganzen Jahre wurde dieses Monster von den Serben versteckt und sie wussten, wo er sich befand“, erklärt sie wütend. „Nun überstellen sie ihn der Justiz. Nun, besser spät als nie.“ Sie fürchtet sich jedoch vor einem Prozess, der zu keinem Urteil komme.

Auch der damals 20-jährige Muhamed Durakovic, der 1995 in letzter Minute aus Sebrenica geflohen war, hat Sorge, dass dieser Fall ähnlich wie der von Slobodan Milosevic ausgehen könnte. Der starb am 11. März 2006. Er wurde tot in seiner Zelle in der United Nations Detention Unit, dem Gefängnis des UN-Kriegsverbrechertribunals aufgefunden. Zuvor wurde das Gerichtsverfahren  vielfach unterbrochen, eine Behandlung im Ausland durch die Richter abgelehnt und zog sich deshalb beträchtlich in die Länge.

Die Schrecken der Deportation und Ermordung werden wieder lebendig

Mit Hotic und Durakovic durchleben nun viele weitere Muslime die Schrecken jener Zeit noch einmal. Die Hinterbliebenen legen Blumen an den Gedenkstätten nieder. Nicht wenige brachen bei der Nachricht von der Festnahme Mladics in Tränen aus. Das Gefühl, wenigstens ein bisschen Gerechtigkeit zu erhalten, macht sich breit.

Bakir Izetbegovic, Sohn des damaligen bosnischen Präsidenten Alija Izetbegovic, zeigt sich erzürnt über den jetztigen Aufritt Ratko Mladics. „Dieser Mann war bereit Tausende von unschuldigen Männern und Jungen zu ermorden und danach war er nicht bereit, der Justiz in die Augen zu blicken, er versteckte sich, und er ließ sich auf diese Weise verhaftet.“ Doch genau das könnte jetzt hilfreich für all jene sein, die in ihm immer noch den Helden sehen wollen.

Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.