Kirchentag: Wulff beklagt langsame Integration, doch „die Richtung stimmt“

Im Rahmen der Veranstaltung "Wie viel Integration braucht die Demokratie?" hat Bundespräsident Christian Wulff erneut seine Aussage "Der Islam gehört zu Deutschland" unterstrichen. Er erklärte, eine Integration sei möglich und auch erwünscht.

Unter der Moderation von Markus Lanz und an der Seite der Vorstandsvorsitzenden von „Deukische Generation“, Aylin Selcuk, ergänzte er seine Rede vom 3. Oktober 2010 und fügte diesmal hinzu: „Die Leitkultur ist das Grundgesetz.“ Dazu gehöre die Gleichberechtigung der Frau, die Religionsfreiheit, als auch die Demokratie. Nichstdestotrotz bleibe er dabei: „Der Islam gehört zu Deutschland.“

Die jetzige Aufgabe bestehe nun darin, für Differenzierung zu sorgen. Denn den Islam gebe es in ganz vielen Strömungen. Zu ihnen gehört auch die 21-jährige Deutschtürkin Selcuk. Bereits im Gespräch mit den Deutsch Türkischen Nachrichten hatte sie erklärt:  Man müsse “weg von diesem ständigen Klagen und Jammern”. Die junge Zahnmedizinstudentin, die in Berlin geboren wurde, ist fest davon überzeugt, sich gewinnbringend in die deutsche Gesellschaft einbringen zu können und mahnt: „Wenn man ausgegrenzt wird, versucht man nur, eine eigene Nische zu finden.“

Wulff sieht Bedarf von mehr Ganztagsschulen

Hier hakte auch Wulff ein und gestand zu, dass es noch viele Versäumnisse in Deutschland gäbe, wie zum Beispiel fehlende Ganztagsschulen, die  eine entsprechende Förderung für Kinder bereit hielten, deren Eltern dazu nicht in der Lage seien. Ganz gleich ob es sich hier um Migranten oder die bildungsferne Unterschicht handle.

Am Ende zeigte sich das Staatsoberhaupt jedoch optimistisch: „Wir kommen voran, nicht schnell genug, aber wir kommen voran. Die Richtung stimmt.“ Integration, so strich er heraus, sei ein Thema, das alle angehe, in das sich auch jeder einbringen könne. Jeder könne schließlich in der Nachbarschaft die Augen offen halten. Gleichsam optimistisch sah auch der Münchner Soziologe Armin Nassehi das Fortschreiten der Integration hierzulande. Diese laufe seines Erachtens sogar „ganz gut“. Der Leitsatz „leben und leben lassen“ erscheint ihm im täglichen Leben sogar am sinnigsten: „Wenn es niemand bedrohlich findet, dass ich fremd bin, werden wir uns wechselseitig in Ruhe lassen.“

Die muslimische Frau gibt es nicht

Eine erfreuliche Entwicklung zeigte hier Sineb El Masrar, Chefredakteurin des Berliner Frauenmagazins Gazelle, auf. Unter den muslimischen Frauen entstehe derzeit ein neues Selbstbewusstsein. Und das,  obwohl die Zeiten schwierig seien. Die so genannten „Muslim Girls“ seien bereits mitten in der Gesellschaft angekommen. El Masrar wies in diesem Zusammenhang noch einmal darauf hin: „Die muslimische Frau gibt es nicht. Sie ist genauso individuell wie andere Frauen auch.“

Muslime & Christen können gemeinsam handeln

In einer Dialogveranstaltung mit Mustafa Ceric, dem muslimischen Großmufti von Sarajewo, stellte der EKD-Ratsvorsitzende Nikolaus Schneider hingegen den Absolutheitsanspruch der Religionen in Frage. Er betonte: “Die Religionen müssen sich von dem Gedanken verabschieden, die Wahrheit allein zu besitzen. Gott ist immer größer als unsere Wahrheitserkenntnis”.  Als gemeinsame Wahrheitssucher “können Muslime und Christen gemeinsam handeln”, so Schneider.

Hier geht’s zur Aufzeichnung der Veranstaltung in der ZDF-Mediathek.

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