Kirchentag in Dresden: Gibt es den anti-islamischen Rassismus?

Beim Kirchentag in Dresden gibt es auch heftige interreligiöse Debatten. Eine der Fragen: Wie konnte es so weit kommen, dass Juden und Christen die Muslime verteidigen müssen?

In der sehr facettenreichen Fülle der 2.200 Veranstaltungen des 33. Evangelischen Kirchentages fanden durchaus auch Themen zu Integration und dem Zusammenleben der Religionen in Deutschland ihren beachteten Platz. Neben einer Großveranstaltung in der Eishalle zu “Wieviel Integration braucht die Demokratie?” ging es im Zentrum Muslime und Christen um Fragen wie “Soziale Gerechtigkeit schaffen”, “Muslimische Lebensentwürfe in Deutschland” oder auch Sexualität und Partnerschaft im Christentum und Islam.

Aiman A. Mazyek: Muslimische Realität ungenügend abgebildet

Enormen Andrang genoss auch eine hochkarätig besetzte Podiumsdiskussion zum Thema “Bilder-Zerrbilder-Feindbilder. Wie Christen, Juden und Muslime sich sehen“. Als Impuls zur Diskussion referierte Dr. Sabine Schiffer vom Institut für Medienverantwortung Erlangen zum “Bild vom Islam und anderen Verzerrungen in den Medien”. Wirkmächtige Bilder würden nach wie vor anti-islamische Ressentiments stärken. Aus den Türken der 80er und 90er Jahre seien die Muslime geworden.

Zerrbilder entstünden auch, weil nicht genug die Realität, was täglich in der muslimischen Community in über 2.600 Moscheegemeinden geschehe, dargestellt würde, gab Aiman A. Mazyek zu bedenken. Der Generalsekretär des Zentralrates der Muslime findet im Diskurs verkannt, dass die Muslime und Moscheegemeinschaften “Mitträger der Gesellschaft” sind.

“Anti-islamischer Rassimus” und mangelndes Problembewusstsein

Diskutiert wurde so, weit über das Medienthema hinaus, wie sich die Religionsgemeinschaften einander wahrnehmen und wie sie gemeinsame Probleme angehen können. Hier lag gewiss auch ein Lerneffekt bei über 500 Veranstaltungsbesuchern, ein Anstoß für den interreligiösen Dialog.
Zum Beispiel, dass man aus dem christlich-jüdischen für den christlich-islamischen Dialog lernen könne, wie der Berliner Bischof Markus Dröge anführte.
Wie sehr die Politik gefordert ist, wurde überdeutlich beim Vortrag von Yasemin Shooman vom Zentrum für Antisemitismusforschung der TU Berlin zu Thema ” Islamfeindlichkeit und Antisemitismus in der deutschen Mehrheitsgesellschaft”. Sie spricht gar von “anti-islamischem Rassimus” und mangendem Problembewusstsein demgegenüber. Was Stephan J. Kramer, Generalsekretär Zentralrat der Juden in Deutschland zu der Frage veranlasste: “Muss es erst soweit kommen, dass Rassismus gegen Muslime so schlimm wird, dass wir uns dagegen stellen müssen?”

Solidarisches Gedenken für Marwa Ali El-Sherbini

So wurde auch nach Kräften gesucht, die oftmals vorhandenen Teufelskreise zu brechen. Und wenn es Hilfe beim Aufbau muslimischer Telefonseelsorge in Berlin ist, wie Bischof Dröge anführte. Einigkeit bestand wohl auch darin, dass Probleme im Integrationsbereich nicht zuerst mit dem Islam zu tun hätten, wie Berlins Innensenator Körting anführte. Vielfach sei Soziales wichtiger. Am Freitag findet ein solidarisches Gedenken von Christen für die Ägypterin Marwa Ali El-Sherbini vor dem Landgericht Dresden statt, die durch ein rassistisches Attentat 2009 ums Leben kam.

Hans Kubach

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