Käßmann: Beten für die Taliban? Komplette Zeitverschwendung!

Margot Käßmann irrt: Nicht das Gebet hilft den Taliban, sondern nur der Zwang, den Terror zu beenden. Christen, Muslime und Juden kennen alle in irgendeiner Form die Legitimität des Tyrannenmords - und sollten der Kraft des Gebets an anderer Stelle vertrauen.

Immer wieder fragen sich Christen: Müssen wir radikal gewaltlos sein oder ist der gerechte Krieg erlaubt? Die Kirchengeschichte hat das nie ganz geklärt. Natürlich fordert die radikale Gewaltlosigkeit Jesu heraus. Ähnlich unklar ist die pazifistische Gefechtslage im Islam: Der Prophet war zeitlebens eher ein Händler – und die lehnen Kriege prinzipiell als geschäftsstörend ab. Aber natürlich gibt es dann da noch den Djihad – dem sich einige Aktivisten heutzutage besonders verschrieben haben.

Kirchentag in Dresden: Käßmann und der spirituelle Hausverstand

Christen und Muslime dürften jedoch unter Verwendung ihres spirituellen Hausverstandes in einem Punkt zum selben Ergebnis kommen: Beten für die Taliban, wie es Margot Käßmann und Thomas de Maizière auf dem Kirchentag in Dresden angeregt haben, ist komplette Zeitverschwendung. Alle monotheistischen Religionen kennen in irgendeiner Weise das Denkmodell des „Tyrannenmords“. Und nichts anderes als blanke Tyrannei ist der Terror, den die Taliban über die Welt gebracht haben. Niemand weiß das so gut wie die Muslime: Ihr Glaube wurde durch den Irrsinn der Selbstmord-Attentate im Namen Allahs so diskreditiert, dass sie sie jedes Mal zusammenzucken, wenn die Medien wieder über den „islamistischen“ Terror berichten.

Natürlich können Christen nicht den totalen Krieg fordern, selbst wenn er gegen ein extrem perfides System gerichtet ist. Sie können ein Unbehagen empfinden, wenn amerikanische GIs Osama bin Laden hinrichten. Religiöse Christen, Muslime und Juden müssen immer die Angemessenheit der Mittel anmahnen. Aber nicht das Gebet hilft den Taliban, sondern der unnachgiebige Zwang, den Terror zu beenden.

Am Ende steht nicht das Wunder vom Hindukusch, sondern vielleicht eine politische Lösung für Afghanistan. Das wird schwer genug, weil Terroristen in der Regel an politischen Lösungen nicht interessiert sind. Dass ihnen deshalb irgendwann die Munition ausgeht oder sie den Rückhalt der Bevölkerung verlieren – dafür lohnt sich die härteste politische Arbeit. Für das Gelingen dieser Anstrengung zu beten könnte eine sinnvolle Sache für alle Weltreligionen sein.

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