Militär wichtiger als Demokratie: Türkischer Journalist kritisiert die Medien

Der Generalstabschef sei einst für diese Medien wichtiger gewesen als das Parlament, sagt der bekannte türkische Journalist Mehmet Ali Birand. Zu oft hätten sie weggeschaut, wenn wichtige Dinge im Land passierten.

Mehmet Ali Birand, der erst vor kurzem in den Fokus der Öffentlichkeit rückte, als er Kritik an seiner eigenen Zunft in Bezug auf die Rolle der Medien in der Schaffung der Grundlagen für militärische Interventionen in der türkischen Politik übte, setzte seine Bekenntnisse am vergangenen Sonntag fort. Er erklärte, dass dem Generalstab von den Journalisten in der Türkei höhere Priorität eingeräumt wurde als die Demokratie.

Der 69-Jährige erklärte in einem Interview mit TRT Haber: „Das ist kein Geständnis, sondern die Bestätigung einer Tatsache. Es war so. Heute bedauern wir das. Wir wuchsen so auf als Kinder der Republik. Später erfuhren wir, dass das nicht richtig war und dass der Generalstab nicht wichtiger als das Parlament ist.“

Birands Bekenntnisse lösen Welle der Kritik aus

Angst vor den Drohungen, die er auf seine Äußerungen hin erhalten habe, würde er nicht haben, so Birand weiter. Wen sollte er in seinem Alter fürchten? Ich wollte nur, dass etwas, was mich wirklich ärgert, an die Öffentlichkeit gelangt. Ich habe nicht damit gerechnet, dass das solche Kreise ziehen würde. Aber die Leute haben nunmal reagiert, weil ich mich an sie gewandt habe.

Im Rahmen einer Kolumne hatte der Journalist im vergangenen Monat eine Reihe von Bekenntnissen niedergeschrieben. Seinem Beitrag für die Zeitung Posta vom 19. Mai 2011 hatte er ein geradezu monumentales Bekenntnis über die Militärnähe und Putschbefürwortung der laizistischen „Medien des Zentrums“ bis in die jüngste Zeit abgelegt. Ihnen sei der Generalstabschef einst wichtiger gewesen als der Schutz der Demokratie. Dann, am  24. Mai titelte er: „Warum haben wir Staatsstreiche unterstützt?“ Darin legte Birand dar, dass das Militär traditionell durch säkulare Kreise provoziert wurde, um Staatsstreiche in der Türkei zu inszenieren.

Er betonte außerdem, dass die Republik Türkei, die Mustafa Kemal Atatürk gegründet und dem Militär anvertraut worden war, im Laufe der Jahre zwei große Feinde gehabt hätte: Fromme Muslime und Kurden.

Mehr hier.

Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.