„Ich habe wenige Muslime auf dem Kirchentag gesehen“

Ali Yardim lobt die Christen in Dresden und mahnt mehr Dialog-Engagement bei seinen Glaubensgenossen an.

Der 33. Evangelische Kirchentag thematisierte als einen Kernpunkt den Dialog von Christen und Muslimen. Eine Fülle von Veranstaltungen setzte sich mit diesem Thema auseinander. Ali Yardim, Vorsitzender der Akademie für interkulturellen Dialog Dresden (AID e.V.), welche sich um einen interkulturellen und interreligiösen Dialog bemüht, fasst für die Deutsch Türkischen Nachrichten seine Eindrücke zusammen:

„Bereits letztes Jahr traf sich mehrmals die Projektgruppe „Zentrum Muslime und Christen“ zu Vorbereitungsgesprächen. Aus Dresden waren außer uns ebenfalls die beiden großen muslimischen Vertretungen, die Ditib und das Islamische Zentrum in die Vorbereitungen eingebunden.

Wer war nicht auf dieser Veranstaltung; Sowohl den Bundespräsident Christian Wulff, die Bundeskanzlerin Angela Merkel, Bundesminister, Abgeordnete, die Katholische Kirche, die Orthodoxen traf man dort in diesen fünf Tagen, konnten da die Muslime fehlen?

Der Satz „Der Islam gehört zu Deutschland“, den Bundespräsident Christian Wulff auf dem Kirchentag widerholte, und dabei auch erklärte, warum er auch weiterhin dazu stehe, trotz der  4.000 negativen und 200 positiven Briefe von Bürgern und Bürgerinnen hierzu, bestätigte mich in meiner Überzeugung, dass die Themen Dialog, Toleranz, Respekt sowie die Integration der Gesellschaft jenseits der täglichen Polemik behandelt werden müssen.

Zugegeben es war mein erster Kirchentagsbesuch. Neun Veranstaltungen wurden von der Arbeitsgruppe vorbereitet, sie fanden im Kongresszentrum statt. Alle neun Veranstaltungen waren gut besucht; das Interesse war so groß, dass meist 45 Minuten vorher die Türen geschlossen werden mussten und kein weiterer Interessent mehr hineinkam. Einige dieser Veranstaltungen wurden nach draußen vor das Kongresszentrum auf große Bildschirme übertragen.

Ja, es war eine Großveranstaltung, mit über 120.000 Anmeldungen, aber eine mit besonderen Teilnehmern: Menschen, die aus großen Entfernungen kamen, und die Einheimischen; Menschen, die sich für Religion, Spiritualität, für soziale Fragen und besonders für Antworten auf die drängenden Probleme unserer Zeit interessieren. Welche Antworten hatten die Muslime parat?

Ich habe an diesen Tagen viele offene und interessierte Menschen, viele Jugendliche  angetroffen, mit manchem sehr intensive Gespräche geführt, und konnte neue Freundschaften schließen. Aber ich habe leider wenige Muslime angetroffen – nach dem äußeren Erscheinungsbild nach beurteilt. Das liegt aber auch an der Innenkommunikation der muslimischen Verbände und der Migrantenmedien, wo der Kirchentag kaum wahrgenommen wurde.

Die Chance, sich als Verband oder Initiative zu präsentieren, an Infoständen muslimische Literatur und Lektüre vorzustellen, sollte bei den nächsten Kirchentagsveranstaltungen genutzt werden. Es reicht nicht, sich immer über die einseitige Berichterstattung der Medien zu beschweren. Hier gab es die Chance, einem interessierten, kritischen, gebildeten, jungen Publikum sich so zu zeigen, wie man ist, auf Fragen, bestehende Vorurteile, Unwissenheit einzugehen.

Die beiden Moscheen der o.g. beiden Gemeinden wurden in das Programmheft des Kirchentages aufgenommen und hatten in den drei Tagen weit mehr als 1.100 Kirchentagsbesucher zu Gast. Die Menschen in den Gemeinden freuten sich über so viel Interesse und Zulauf.“

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