Erol Dora: Der erste Christ im türkischen Parlament?

Das erste Mal seit einem halben Jahrhundert könnte am Sonntag ein Christ ins türkische Parlament einziehen. Der 47 jährige Erol Dora, ein Rechtsanwalt, hat gute Chancen, als unabhängiger Kandidat direkt ein Mandat zu bekommen.

Der Aramäer Erol Dora aus Mardin in Südanatolien wird von der Kurdenpartei BDP unterstützt. Er wäre der erste christliche Abgeordnete in der Volksvertretung in Ankara seit dem Militärputsch von 1960. Dementsprechend möchte er sich auch, falls er gewählt wird, für die Rechte der Christen in der Türkei und „als ein türkischer Bürger für Demokratie im Land“ einsetzen.

„Seit den 1960er Jahren gab es keinen christlichen Parlamentsabgeordneten mehr. […] Ich finde das nicht normal“, sagte Dora in einem Interview. Dora gehört einer alten Gemeinde rund 13.000 syrisch-orthodoxer Christen an, die noch Aramäisch sprechen, die Sprache Jesu. Ihre traditionelle Heimat ist die Region um die südöstliche Stadt Mardin. Während der Kämpfe zwischen kurdischen Rebellen und der Regierung in den 1980er Jahren flohen viele von ihnen nach Istanbul oder Westeuropa.

Wenn er gewählt wird, so verspricht Dora, will er für die syrisch-orthodoxen Christen in der Nationalversammlung sprechen und „für die Demokratie als türkischer Staatsbürger arbeiten.“

Erol Dora tritt als unabhängiger Kandidat für die prokurdische Partei für Frieden und Demokratie BDP an, die auf fünf bis sechs Prozent in den Umfragen kommt, und somit vermutlich an der in der Türkei gültigen Zehn-Prozent-Hürde scheitern wird. Diese Klausel für politische Parteien gilt jedoch nicht für unabhängige Kandidaten. In Mardin, einer Region mit einem ethnischen und religiösen Mix aus Türken, Kurden, Arabern, Muslimen, Christen und Yeziden, hat Dora eine Chance, unter den fünf Abgeordneten der Provinz nach Ankara geschickt zu werden.

Außergewöhnlich viele Christen hatten sich diesmal um Listenplätze beworben. Die christliche Bevölkerung scheint selbstbewusster geworden zu sein. Auch wenn es einige Zugeständnisse von Seiten der Regierung gab – was christlichen Gemeinden etwa eine freiere Ausübung ihrer Gottesdienste gewährte – das Parlament setzt sich größtenteils aus Muslimen zusammen. Die Wahl von Erol Dora wäre also ein einschneidendes Ereignis. Dora selbst hingegen sieht darin nichts Ungewöhnliches, die Region sei für seine ethno-religiöse Vielfalt bekannt: „Wir haben hier seit Jahrtausenden zusammen gelebt. Wenn die Menschen hier gegen Christen voreingenommen wären, würde ich nicht in der Lage gewesen sein, hier zu kandidieren.“

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