Alles gelogen: Entführte syrische Bloggerin Amina Abdallah war ein amerikanischer Mann

Als sich die Nachricht über die mysteriöse Entführung im Netz verbreitete, war die Sorge um Amina Abdallah groß. Die bekennende Homosexuelle, die sich in ihrem Blog kritisch über das Regime geäußert haben soll, war spurlos verschwunden. Jetzt ist klar: das Ganze war ein Fake.

Der Vorfall sollte sich Anfang der vergangenen Woche in der syrischen Hauptstadt Damaskus ereignet haben. “Amina wurde von drei Männern Anfang 20 aufgegriffen. Augenzeugen zufolge sollen die Drei bewaffnet gewesen sein”, berichtet Aminas Cousine Rania O. Ismail  auf ihrem Blog „A Gay Girl in Damascus“. Auf Facebook formierten sich die User und forderten die Freilassung der jungen Frau. Auch andere Aktivisten, Blogger und sogar die Behörden suchten fieberhaft.

Amerikaner verfasst „Entschuldigung an die Leser“

Jetzt, nach sieben Tagen der Ungewissheit, stellte sich jedoch heraus: Amina Abdallah existiert nicht. Die lesbische Politaktivistin ist eigentlich ein verheirateter Amerikaner. Hinter den Texten auf dem Blog „A Gay Girl in Damascus“ soll angeblich der Student Tom MacMaster stecken. Der gab nun zu, die Beiträge in Edinburgh, Schottland, verfasst zu haben. MacMaster gibt sich reumütig und erklärt: „Ich habe nicht damit gerechnet, solche Aufmerksamkeit zu erringen“, schrieb er in seiner „Entschuldigung an die Leser„.

Obschon seine Figur reine „Fiktion“ gewesen sei, beharre er darauf, dass seine Schilderungen über die Verhältnisse in Syrien der Realität entsprächen. Schaden habe er angeblich keinen anrichten wollen, sondern lediglich einen Namen erfunden, „um die aktuellen Ereignisse im Brennpunkt zu halten.“

Glaubwürdigkeit der arabischen Blogosphäre erschüttert

Nichtsdestotrotz erntet sein Vorgehen scharfe Kritik. Nicht wenige befürchten, dass er durch diese Aktion die Arbeit der Aktivisten im Untergrund nachhaltig geschädigt haben könnte. Auch der Ruf der Sozialen Medien und ihrer Benutzer sowie der homosexuellen Community in Syrien sei dadurch in Mitleidenschaft gezogen worden – auch oder gerade was deren Rolle im „arabischen Frühling“ angeht. Sie sehen die Glaubwürdigkeit der arabischen Blogosphäre schwer erschüttert. Darüber hinaus würde solche Geschichten von den wichtigen Kampagnen, die für echte Aktivisten und Personen in Gefangenschaft ins Leben gerufen werden, ablenken.

Mittlerweile hat der Amerikaner eine zweite, längere Entschuldigung veröffentlicht. Besänftigen konnte er damit wohl die wenigsten.

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