EHEC: Lässt sich nächste Welle mit kaltem Plasma verhindern?

Noch immer Rätseln die hessischen Behörden, wie der EHEC-Erreger in den Erlenbach bei Frankfurt am Main gekommen ist. Wissenschaftler am Max-Planck-Institut denken jedoch schon weiter. Sie haben herausgefunden, dass kaltes Plasma EHEC-Bakterien beseitigt.

Erst am Wochenende gab es erneut eine beunruhigende Meldung: Ein Forscher aus Münster war sich sicher: Der EHEC-Keim richtet sich gerade dauerhaft in seiner Umwelt ein. Durch die Bildung einer Schleimschicht habe er sich extrem widerstandsfähig gegenüber äußeren Einflüssen gemacht und könne dort selbst im sauren Millieu oder großer Kälte einige Zeit gut überstehen.

Doch ließe sich die nächste Welle von Infektionen mit EHEC-Bakterien vielleicht doch noch verhindern? Mit Hilfe von kaltem Plasma haben Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik verschiedene Erreger-Stämme wirkungsvoll und binnen weniger Sekunden abgetötet. Für die einschlägigen Experimente benutzten sie Prototypen von Geräten, die sich auch für einen kostengünstigen Einsatz in Lebensmittelbetrieben und im Privathaushalt eignen könnten.

Kaltes Plasma verminderte Bakterien schlagartig

In einem Plasma sind die Moleküle eines Gases nicht mehr neutral, sondern in geladene Ionen zerfallen. Dadurch enthalten Plasmen sehr reaktive Teilchen, die beispielsweise Bakterien zerstören können. Heiße Plasmen dienen in der Medizin schon heute dazu, chirurgisches Besteck zu sterilisieren. Für frische Lebensmittel eignet sich jedoch nur der Einsatz der kalten Variante. Wissenschaftler in der Mikrobiologie-Abteilung des Schwabinger Krankenhauses testeten jetzt mit zwei Prototypen, die kalte Plasmen erzeugen, die Wirkung auf mehr als 100 Kulturen des EHEC-Erregers. Bei allen Bakterien handelte es sich um Shiga-Toxin produzierende E. coli Bakterien des Serotyps O104:H4. Sie wurden während der aktuellen EHEC-Welle von fünf Patienten mit HUS-Syndrom isoliert. In den Tests verminderte der Apparat die Zahl der EHEC-Erreger in 15 Sekunden auf ein 10.000stel. Das ist ausreichend, um Obst und Gemüse bedenkenlos verzehren zu können.

„Die Resultate sind aus unserer Sicht sehr überzeugend“, erklärt Gregor Morfill,  Direktor am Max-Planck-Institut und Leiter der Untersuchung. Die EHEC-Bakterien seien zwar etwas widerstandfähiger als normale E. coli Bakterien, für die Inaktivierung spiele das aber keine Rolle.

Weiterentwicklung der Geräte für Hausgebrauch nötig

Die Prototypen für den Hausgebrauch, die dann für etwa 100 Euro angeboten werden könnten, müssten nun noch zur industriellen Reife gebracht werden. Für einen industriellen Einsatz ist ebenfalls noch eine Weiterentwicklung nötig. Welchen Einsatz das Gerät auf Geschmack und Inhaltsstoffe der behandelten Lebensmittel hat, muss noch getestet werden.

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