Frauenfußball: Haben die Türken überhaupt eine Nationalmannschaft?

Die Türkei fehlt bei der Frauen Fussball-WM. Gibt es überhaupt eine Nationalmannschaft? Spielerinnen mit türkischen Wurzeln wird man auch im deutschen Team nicht finden. Wo sind sie nur, die weiblichen Özils, Sahins oder Altintops?

Im Tatort war noch alles Fiktion: In Vorbereitung auf die Frauenfußball WM 2011 stand der Tod der türkischstämmige Fußballnationalspielerin Fadime Gülüc im Mittelpunkt. In der Realität bereiten sich die Fußballerinnen auf das große Turnier vor. Am 26. Juni um 18 Uhr geht es los, im ausverkauften Olympiastadion in Berlin muss die deutsche Mannschaft gegen Kanada zeigen, was sie kann. Eine türkischstämmige Spielerin ist nicht dabei.

Nicht nur um Sport geht es hier, sondern auch darum, dass Frauen sich behaupten wollen. Fußball ist noch immer eine Männerdomäne, Frauen, die diesen Sport ausüben, sind häufig Klischeevorstellungen und Sexismus ausgesetzt. Will man als Frau etwas erreichen und das Hobby Fußball vielleicht sogar zum Beruf machen, dann ist ein starker Rückhalt durch die Familie wichtig.

Fußball ist noch immer ein Männersport – in Deutschland ebenso wie in der Türkei

Was in deutschen Familien denkbar ist, ist in türkischstämmigen Familien aber noch ungewöhnlich, manchen Mädchen wird es sogar verboten Fußball zu spielen. Jungen mit türkischen Wurzeln sind in Deutschland im Fußball und im Kampfsport ebenso stark vertreten wie deutsche. Türkischstämmige Mädchen sind allerdings noch stark unterrepräsentiert, das gilt für Deutschland ebenso wie für die Türkei selbst.

1993 ging die erste türkische Frauenfußball-Liga mit 30 Teams an den Start. Zehn Jahre später waren nur noch zehn Teams übrig und der Ligabetrieb wurde eingestellt. Die Spielerinnen waren alle älter als 20 Jahre – an die Zukunft, an Fußball-Nachwuchs dachte man nicht. 2006 wurde die türkische Frauenfußball-Liga wiederbelebt. Inzwischen gibt es wieder mehr Teams, man will den Frauenfußball besser unterstützen. Doch noch immer ist es recht still um die türkische Nationalmannschaft. Bis heute konnte sie sich nie für ein großes Turnier qualifizieren.

(Kein) Türkischer Nachwuchs für den deutschen Frauenfußball

Neben der Finanzierung der Sportausrüstung und den oft späten Trainingszeiten schreckt viele Eltern ab, dass in Vereinen die sanitären Anlagen und die Umkleidekabinen häufig nicht getrennt von denen der Jungen sind. Mädchen bekommen außerdem oft den schlechtesten Trainingsplatz. Auch Hygienevorschriften bei Kleidung und Essen können sich bei muslimischen Spielerinnen von den Mannschaftskolleginnen unterscheiden. Gespräche zwischen Eltern und Vereinen finden kaum statt, so dass bestehende Sorgen und Ängste von Elternseite nicht überwunden werden können. Auch Sprachbarrieren können eine Rolle spielen, da nicht alle Eltern das Vereinsformular ausfüllen können.

Dabei könnte Fußball, nicht zuletzt durch die sportlichen Leistungen und deren Anerkennung, einen entscheidenden Beitrag zum Selbstbewusstsein der jungen Frauen leisten. Als Mannschaftssportart vermittelt Fußball ein Gefühl der Gemeinsamkeit, der Zugehörigkeit. Gerade für Jugendliche mit Migrationshintergrund wäre das sehr wichtig. Für Mädchen bedeutet es eine Befreiung aus der traditionellen Rolle. Auch männliche Familienmitglieder und Freunde können sportliche Leistungen meist anerkennen. Das Zugehörigkeitsgefühl zu einer deutschen Mannschaft kann zudem die Verbundenheit zum Land selbst stärken, wie schon die WM 2006 gezeigt hat.

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