Gepanschter Alkohol: Türkei-Touristen trotzdem sicher

Ein Bootstrip russischer Touristen in Bodrum Anfang Mai hat kürzlich ein fünftes Todesopfer gefordert. Gözde Sahin, Kulturattaché der Türkischen Botschaft Berlin, versucht zu beruhigen. Touristen könnten weiterhin bedenkenlos Alkohol trinken.

Die 22-jährige Viktoria Nikoloeva gehörte zu einer Reisegruppe, von denen sich eine ganze Reihe junger Leute nach dem Konsum von illegal hergestelltem Alkohol eine Vergiftung zugezogen haben. Seit dem Vorfall lag die junge Frau auf der Intensivstation eines Krankenhauses in Antalya. Anfang der Woche verlor sie nach längerem Koma sämtliche Hirnunktionen und wurde schließlich für hirntot erklärt.

Sicher im Türkei Urlaub: Bars und Restaurants werden stärker überwacht

Sorgen von Touristen, dass eine solche Tragödie kein Einzelfall sein könnte, kann Gözde Sahin zerstreuen. „Uns liegen keine weiteren Vorkommnisse im Zusammenhang mit gepanschtem Alkohol in der Türkei vor“, betont die Beamtin. Schwarzbrennerei und die Verbreitung von illegalem Alkohol seien schwere Delikte, die in der Türkei mit hohen Strafen geahndet würden. „Die Kontrollen wurden weiter verschärft, um die Sicherheit der Touristen und aller in der Türkei lebenden Menschen zu garantieren. Zudem werden Hotels, Bars und Restaurants stärker überwacht“, erklärt sie die Bemühungen des Landes der Lage Herr zu werden.

Doch können deutsche Touristen im Moment wirklich bedenkenlos Alkohol in der Türkei konsumieren? „Wir bieten unseren Gästen nur Waren an, die wir als Einheimische auch konsumieren. Touristen können in der Türkei bedenkenlos Alkohol trinken“, stellt sie heraus. Jährlich kämen mehr als 4,5 Millionen Besucher aus Deutschland für einen Urlaub in die Türkei. Die meisten Reisenden kämen im darauffolgenden Jahr wieder.

Vor Nikoloeva gab es im vergangenen Monat bereits vier Todesfälle. Zuletzt starb Anfang Juni der 28-jährige Alexandr Zhbckov im Denizli Pamukkale Krankenhaus. Auch er hatte sich nach einer Alkoholvergiftung in kritischem Zustand befunden. Der junge Mann hatte an derselben Yachttour in der Ägäis teilgenommen wie die 22-Jährige. Zuvor hatte der Trip schon drei russische Frauen das Leben gekostet. Insgesamt wurden mehr als 60 Personen mit Symptomen einer schweren Alkoholvergiftung behandelt. Auf den Ausflugsbooten des veranstaltenden Unternehmens entdeckten die Behörden später rund 200 Flaschen gepanschten Alkohols. Vier Verdächtige bei der Ausflugsfirma sowie deren Alkohol-Lieferanten wurden anschließend festgenommen.

Drei Lübecker Berufsschüler starben 2009

Bereits vor zwei Jahren erschütterte ein ähnlicher Fall die Bundesrepublik als drei Berufsschüler aus Lübeck nach einer Klassenfahrt in den Ferienort Kemer ums Leben kamen. Sie waren an illegal hergestelltem, giftigem Wodka gestorben, den sie im Hotel gekauft hatten. Ein 21-jähriger Mann starb damals noch in der Türkei an einer Methanolvergiftung. Seine 17 und 19 Jahre alten Mitschüler fielen ins Koma und starben wenig später in der Uniklinik Lübeck. Der zuständige Manager und der Chefeinkäufer des Anatolia Beach Hotels wurden darauf hin verhaftet. Der Alkohol-Lieferant wurde per Haftbefehl gesucht.

Methanolvergiftung kaum zu erkennen

Die jungen Leute hatten keine Chance den gepanschten Wodka zu erkennen. Methanol ist klar und zudem geschmacksneutral. Der leicht tranige Geruch wird meist durch Mixen mit Cola oder Säften überdeckt. Auch die Vegiftung selbst ist nicht leicht zu erkennen. Die Opfer zeigen die gleichen Symptome wie bei übermäßigem Alkoholgenuss. Klarheit bringt nur ein Bluttest auf Übersäuerung.

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