Frauen-WM: Es fehlt der „Kournikova-Effekt“

Marketing-Experten analysieren, warum sich trotz großer Bemühungen und guter sportlicher Leistungen nur jeder Vierte in Deutschland für Frauenfußball interessiert.

Frankfurt am Main hat die Frauenfußball-WM standesgemäß begrüßt. Während der inoffiziellen Eröffnung am Samstagabend war alles im Einsatz, was zu einem richtigen „Fußballzauber“ gehört: Feuerwerk, Musik und Artisten.

Experten warnen jedoch: Die Frauenfußball-Weltmeisterschaft ist „kein Sommermärchen„. Professor Dr. Markus Voeth von der Universität Hohenheim erklärt: „Wer die Frauen-Fußballweltmeisterschaft mit einer Männer-WM vergleicht, der vergleicht Äpfel mit Birnen. Die Sportereignisse sind, was ihre wirtschaftliche Bedeutung angeht, zu unterschiedlich.“ Der Marketing-Experte untersucht bereits seit 2001 die Vermarktung der Männer-Fußballweltmeisterschaften. Er ist sich sicher, dass Sponsoring, Fußball-Werbung sowie die dazugehörigen Fan-Feste wie sie Deutschland in den Jahren 2006 und 2010 erlebte, diesmal nicht zu erwarten seien. Ganz im Gegenteil: „Wer solche Erwartungen wecke, der rede die Frauen-WM ungerechtfertigt schlecht.“

Nur jeder Vierte interessiert sich für die Frauen-WM

Warum die Stimmung hierzulande ist, wie sie eben ist, macht Voeth gemeinsam mit den Projektleiterinnen der WM-Studien der Universität Hohenheim Jeanette Loos und Sabine Schwarz gleich an mehreren Faktoren fest. „Während wir in unseren Studien vor der Männer-WM im vergangenen Jahr bei Männern zu 80 Prozent und bei Frauen immerhin noch zu zwei Dritteln ein sehr starkes Interesse feststellen konnten, liegen die Werte in diesem Jahr deutlich darunter. Insgesamt kommen die Studien, die vor der WM in diesem Jahr von verschiedenen Instituten durchgeführt wurden, zu dem Ergebnis, dass gerade einmal jeder Vierte an der WM stark interessiert ist.“

Dazu kämen „noch keine ausreichende mediale Aufmerksamkeit“, insgesamt „wenig Interesse bei Sponsoring und Merchandising“ und darüber hinaus „sportliche Werbebotschaften ohne ‚Kournikova-Effekt'“. Zwar gäbe es die Tendenz, den Frauen-Fußball stärker durch die Betonung weiblicher Reize zu vermarkten, doch funktioniert hat das nicht. Die Experten sehen diese Bemühungen sogar kritisch: „Auch wenn viele Werbestrategien augenblicklich stark auf den sogenannten ‚Kournikova-Effekt‘ setzen, kann das keine nachhaltige Vermarktungsstrategie für den Frauen-Fußball sein. Denn am Ende kommt es bei einem Sport immer auf sportliche Aspekte an“, so Jeanette Loos.

Aylin Yaren hofft auf Effekte für den Frauenfußball

Ihr abschließendes Urteil: Die Frauen-WM sollte ihrer Meinung nach insgesamt nicht unbedingt mit einer Männer-WM verglichen werden. „Dadurch wird die Frauen-WM ungerechtfertigt schlecht geredet“, meint Professor Voeth. Der richtige Vergleichsmaßstab seien hier die beiden letzten Frauen-Weltmeisterschaften in China und den USA. „Wenn die diesjährige Frauen-Fußballweltmeisterschaft im Vergleich zu diesen beiden Weltmeisterschaften besser abschneidet, dann ist sie ein Erfolg – ganz unabhängig davon, ob nun 20 oder 25 Prozent des Umsatzes und der Budgets einer Männer-WM erreicht werden.“

Die deutsch-türkische Fußballerin Aylin Yaren erhofft sich durch die jetzt stattfindende WM dennoch, dass der Frauenfußball einen Schritt vorankäme. und mehr Leute zu den Spielen kämen. „Ich glaube, selbst wenn wir am Ende nicht Weltmeister werden, aber trotzdem guten Fußball gezeigt haben, wird es eine positive Entwicklung geben. Hoffe ich jedenfalls.“ Denn die sei ja auch nötig: „Die Leute reden momentan über die WM, aber schon die Bundesliga interessiert keinen mehr.“ Es werde einfach zu wenig berichtet.

 

Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.