Ekşi Sözlük: Haben User den Propheten beleidigt?

Eine Debatte über den Propheten Mohammed löste auf der türkischen Internetplattform Ekşi Sözlük in der vergangenen Woche schwere Spannungen unter den Forumsteilnehmern aus. Ein User soll einige Diskussionsteilnehmer bei der Polizei angeschwärzt haben, da sie den Propheten beleidigt hätten.

Ekşi Sözlük ist seit gut zwölf Jahren eines der beliebtesten Web-Angebote in der Türkei. In der letzten Woche machte sie jedoch Schlagzeilen als 50 Mitglieder der Plattform von der Polizei geschnappt und der Religionsbeleidigung beschuldigt wurden.

Ein Autor, der anonym bleiben will, erzählt: „Die Polizei fand meine IP-Adresse und plötzlich nahmen sie mich zu Hause mit. Es gab Beschwerden über meine Kommentare zum Thema Religion.“ Jemand hatte ihn und einige andere nach einer Diskussion über den Propheten bei der Polizei angeschwärzt. „Jeder auf der Seite hat einen Nickname und wir schreiben alle anonym. Aus diesem Grund habe ich mich vielleicht unüberlegt geäußert, aber ich habe nichts Beleidigendes geschrieben.“

Betreiber geben IP-Adressen an die Polizei weiter

Die Festnahmen sorgten im Umfeld der Internetseite für einigen Diskussionsstoff. Einige kritisierten die Administratoren, die offenbar die fraglichen IP-Adressen herausgaben. Die andere Seite behauptet, eine Zuwiderhandlung wäre in diesem Fall illegal gewesen. Sedat Kapanoğlu, Gründer und Betreiber der Plattform, erklärt: „Einige Autoren sind wütend und beschuldigen uns der Polizei die IP-Adressen ausgehändigt zu haben. Hätten wir das aber nicht getan, hätten wir uns strafbar gemacht.“ Und der Anwalt der Webseite, Başak Purut, ergänzt: „Unsere Autoren schreiben ihre Meinungen hier anonym. Doch als diese festgenommen wurden, forderten die Beamten die Preisgabe ihrer Identität.“

Anwalt und Internetspezialist Yaman Akdeniz äußert Zweifel, ob die Vorfälle wirklich so harmlos gewesen seien, wie von den Usern dargestellt. Damit die Leute aus ihren Häusern geholt werden, bedürfe es schon eines Gerichtsbeschlusses. Auf der anderen Seite verurteilt er das jetzige Vorgehen scharf und sieht darin einen Angriff auf die Privatsphäre. So wie das abgelaufen sei, würden die Leute nur noch wütender werden. „Das Ganze gleicht einer Hexenjagd.“

User verabschieden sich von  Ekşi Sözlük

Die Plattform existiert seit 1999. Gut 34.000 User haben sich seitdem registriert. Der breitgefächerte Themenmix erziehlt montalich rund acht Millionen Hits. Im Zuge der Vorfälle haben einige ihre Tätigkeit für Ekşi Sözlük jedoch eingestellt, da sie nicht selbst eines Tages in irgendwelchen Polizeiakten auftauchen wollten.

Seit 2007 kennt das türkische Recht insgesamt acht verschiedene Kategorien von Vergehen, die zu einer sofortigen Schließung einer Internetseite führen können: Prostitution, Kinderpornographie, Glücksspiel, Unzüchtigkeit, Verherrlichung von Suizid, Erleichterung von Drogenmissbrauch, Bereitstellung von nicht geprüften Medikamenten und die Beleidigung von Mustafa Kemal Atatürk. Erst kürzlich wurden in der Türkei eine Million Webseiten gesperrt, darunter auch YouTube, Google, Facebook WordPress und Dailymotion.

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