Menschenhandel und Zwangsarbeit: Die USA haben die Türkei im Visier

In seinem jährlichen "Trafficking in Persons Report" hat das US-Außenministerium die Türkei als Quelle, Ziel und Transitland für Frauen, Männer und Kinder bezeichnet, die für Zwangsarbeit und Menschenhandel missbraucht würden. Die Behörde beschuldigt die Regierung, nicht einmal die Mindestnormen für die Eliminierung des Menschenhandels zu erfüllen.

Der Bericht des US-Außenministeriums untersuchte die Bedingungen in insgesamt 184 Nationen und ordnete sie hinsichtlich der Effektivität im Kampf gegen die moderne Form der Sklaverei ein, darunter auch die im eigenen Land. Die Behörde schätzt, dass mindestens 27 Millionen Männer, Frauen und Kinder weltweit in Knechtschaft leben müssen.

Dem Bericht zu Folge fand man in der Türkei Frauen und Kinder, die im Sexhandel involviert waren. Die meisten von ihnen stammen aus der ehemaligen Sowjetunion oder aus Osteuropa. Aber auch türkische Frauen werden hier zur Prostitution gewzungen.

Türkei kann Zahl der Opfer reduzieren

Die USA kritisiert, dass die Türkei nicht einmal die Mindestnormen für die Eliminierung des Menschenhandels erfülle. Gleichzeitig wurde jedoch herausgestellt, dass das Land durchaus erhebliche Anstrengungen unternehme. „Die Regierung hat in der Berichtsperiode ihre Fähigkeiten Zwangsarbeit und Menschenhandel zu erkennen, verbessern können“, heißt es hierzu. Nun sei die Zahl der von der Polizei identifizierten Opfer im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um fast die Hälfte zurückgegangen. Im Jahr 2010 seien Strafttäter, die in Menschenhandel verwickelt waren, verfolgt und verurteilt worden. Über die Höhe der Strafen wurden jedoch keine Angaben gemacht.

„Alle Staaten können und müssen mehr tun“, mahnt US-Außenministerin Hillary Clinton während der Vorstellung des Berichts. Derzeit würden mehr Menschen als je zuvor ausgebeutet werden. Zu den Ländern, die auf der so genannten Schwarzen Liste stehen, gehören Kuba, Iran, Myanmar, Nordkorea und der Sudan, daneben auch Eritrea, Libyen und Zimbabwe. Andere haben sich auf die Seite der USA gestellt, wie Kuwait und Saudi-Arabien. Während Papua-Neuguinea als Wiederholungstäter bezeichnet wurde. Lediglich ein Land, die Dominikanische Republik, wurde aus der Liste entfernt. Die Liste enthält allerdings auch elf neue Länder wie Algerien, die Zentralafrikanische Republik, Äquatorial-Guinea, Guinea-Bissau, den Libanon, Libyen, Madagaskar, Mikronesien, Turkmenistan, Venezuela und schließlich den Jemen.

USA fordert intensive Untersuchungen

Das Außenministerium forderte die Türkei nun dazu auf, dringend ein Gesetz, das den Menschenhandel in der Türkei verbietet, zu beschließen und zu verabschieden sowie die Täter energisch zu verfolgen. Darüber hinaus soll untersucht werden, warum eine signifikante Anzahl von strafrechtlich behandelten Fällen zu Freisprüchen führen. Gefordert wird auch eine nachhaltige Finanzierung entsprechender Hilfsorganisationen, die auch Zugang zu den Gefängnissen erhalten sollten, sowie die Einrichtung eines Opfer-Fonds, der sich aus Bußgeldern der Täter speist. Insgesamt soll den Opfern mehr Zeit eingeräumt werden, um sich von den traumatischen Erlebnissen zu erholen und sich über Möglichkeiten zu ihrem Schutz zu informieren und wie letztlich die Zusammenarbeit mit den Strafverfolgungsbehörden aussehen könnte. Auch der Zeugenschutz müsse in diesem Zusammenhang verbessert und mehr Anreize geschaffen werden mit den Behörden zusammen zu arbeiten.

Laut Bericht gab es von Seiten der türkischen Regierung im Jahr 2010 einige kleine Fortschritte. Dringend erforderliche Verbesserungen hinsichtlich eines mehr Opfer zentrierten Ansatzes blieben jedoch aus. Die Regierung stellte 150.000 US-Dollar für die Einrichtung einer Hotline zur Verfügung. Auch das Militär wurde vor seinen Auslandseinsätzen hinsichtlich der Bekämpfung des Menschenhandels trainiert. Den Nachweis, welche Anstrengungen unternommen wurden, um den Sexhandel und die Zwangsarbeit zu reduzieren, blieben die Behörden schuldig. Gleiches gilt für Maßnahmen gegen türkische Touristen, die sich Sex mit Minderjährigen im Ausland holen.

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