Häusliche Gewalt: Sechs türkische Frauen brutal umgebracht

Seit vergangenen Donnerstag sind in der Türkei sechs Frauen durch die Hände ihrer Männer oder Ex-Ehemänner zu Tode gekommen. Diese neuen Fälle sind leider keine Seltenheit. Die Regierung scheint in ihren Kampf zum Schutz von Frauen vor häuslicher Gewalt versagt zu haben.

Am letzten Freitag brachte Cem Şen aus Samsun seine Frau mit zwölf Messerstichen im Zuge eines Streits um zu hohe Kreditkartenschulden um. Ferida Şen, mit der er neun Jahre verheiratet war, starb in der Folge ihrer schweren Verletzungen in einem Krankenhaus. Sie wurde nur 33 Jahre alt. Ihre Ehemann, der als Sicherheitsbeamter arbeitet, erklärte später gegenüber der Polizei, dass er sich mit Ferida über die hohe Kreditkarten-Rechnung stritt, die sie seiner Meinung nach verursacht hatte. Als sie dann anfing ihn zu beschimpfen, habe er die Kontrolle verloren. „Ich hatte nicht die Absicht sie zu töten“, so seine Aussage. Gewaltbereite Ehemänner argumentieren nicht selten auf diese Weise. Der Umstand, dass die Frauen sie provoziert hätten, wirkt sich oft strafmildernd aus. Nach türkischem Recht gilt das auch für Mordfälle.

Ebenfalls am Freitag ereignete sich ein weiterer Zwischenfall in Adana. Dort fiel eine Frau vom Balkon und verstarb. Angeblich wurde sie gestoßen. Nachdem die vierjährige Tochter gegenüber der Polizei ausgesagt hatte, dass ihr Vater die Mutter gestoßen hatte, wurde dieser als Hauptverdächtiger verhaftet.

Ex-Mann übergießt Frau mit Benzin und zündet sie an

Am Samstag setzt sich die Serie fort. Eine Mutter und ihr Sohn sterben im Istanbuler Stadtteil Altıntepsi nachdem der Ex-Mann Tuğba Ö. angeblich mit Benzin übergossen und angezündet hatte. Şükrü Ö. nahm dabei auch den Tod des elfjährigen Sohnes Buğra in Kauf. Der starb bei dem Versuch seine Mutter zu retten. Beide Leichnahme werden nun obduziert. Şükrü Ö., dessen Kleidung ebenfalls Feuer gefangen hatte, kam mit Verbrennungen in ein Krankenhaus. Zum Zeitpunkt des Vorfalls befanden sich nach Polizeiangaben auch die Mutter, die Tante und der Onkel des Opfers sowie eine von Tuğbas Freundinnen, Aysel Ferman, im Haus. Auch sie wurden in ein Krankenhaus gebracht, welcher Art ihre Verletzungen sind, ist bisher allerdings unklar. Bei Aysel Ferman, die sich mit einem Sprung vom Balkon vor den Flammen retten wurde, liegen mehrere Knochenbrüche vor. Nachbarn erzählten später, dass Şükrü Ö. seine Ex-Frau immer wieder schikaniert habe. Diese gaben auch an, dass er im vergangenen Jahr auf sie eingestochen habe.

Das vierte Opfer in den vergangenen drei Tagen ist die 26-jährige Meryem İ., die sich in ihrem Haus in Van erhängte. Die vierfache Mutter soll immer wieder von ihrem Mann verprügelt worden sein. Drei Selbstmordversuche hatte sie bereits hinter sich. In unmittelbarer Nähe im Distrikt Çaldıran ereignete sich ein weiterer Todesfall. Faruk T. erschoss seine Frau Adalet T., nachdem diese das Haus in Folge eines Streits verlassen hatte. Faruk T. ist immer noch auf der Flucht. Die 24-jährige Kübra Nur Şahin ist das sechste Opfer an diesem Wochenende. Sie wurde von ihrem Freund Adem K. im Haus ihrer Schwester in Elbistan erdrosselt. Hintergründe sind bisher nicht bekannt.

Familienministerin Fatma Şahin mahnt zur Eile

In Anbetracht der Ereignisse trat am Samstag auch die frisch ernannten Familien- und Sozialministerin Fatma Şahin vor die Medien. Ein in Kürze im Parlament vorzustellender Gesetzesentwurf soll es künftig möglich machen, Männer, die unterVerdacht stehen in einem Missbrauch verwickelt zu sein, unverzüglich festzunehmen. Gegenüber einer türkischen Tageszeitung erklärte sie: „Das staatliche Schutzsystem muss gestärkt werden. Doch die neuen Regelungen können nur durchgesetzt werden, wenn das Parlament endlich anfängt zu arbeiten. Im Moment sieht es danach aus, als ob man noch zwei oder drei Monate warten müsste, bis das Anliegen durch ist.“

Hintergrund der Gesetzesinitiative von Fatma Şahin ist der Tod von Ayşe Paşalı. Diese wurde 2010 von ihrem Ex-Mann ermordert, nachdem ihr Polizeischutz verwehrt wurde. Wenn das Gesetz gebilligt wird, reicht künftig der geringste Verdacht, dass ein Mann seine Frau misshandle, um diesen zu verhaften. Der Entwurf sieht auch strengere Bestimmungen für einstweilige Verfügungen vor. Dazu gehört auch das Untersagen von Telefonaten mit den Kindern des Paares.

Mehr hier.

Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.