Die tanzenden Derwische von Konya

Konya ist ein Wallfahrtsort für gläubige Muslime und Sufis. Berühmt ist der Ort für die tanzenden Derwische, die selbstvergessen um die eigene Achse wirbeln. Jahr für Jahr ziehen sie Reisende im Türkei Urlaub in ihren Bann.

Konya ist die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz. Diese ist flächenmäßig die Größte in der Türkei und liegt ca. 200 km südlich von Ankara. Wie viele türkische Städte hat auch diese eine reiche römische Geschichte und zudem schlug der berühmte Friedrich Barbarossa hier 1190 erfolgreich die Schlacht von Ikonion – wie Konya damals noch hieß. Allerdings ertrank er kurz darauf, nach der Überquerung des Taurusgebirges unweit der Stadt Seleucia (heute Silifke) im Fluss Saleph (Göksu). Bekannt ist Konya heutzutage hauptsächlich wegen seinen beeindruckenden tanzenden Derwischen. Sie ziehen die meisten Besucher auf Türkei Reisen in die Stadt.

Der Begriff Derwisch kommt vom Persischen „dar“, was so viel bedeutet wie „Tür“ oder „Tor“. Dies bezieht sich auf einen Bettler, der von Tür zu Tür geht – denn der Derwisch muss die eigene Armut vor Gottes Reichtum erkennen. Das beinhaltet aber auch die Erfassung der Schwellen zwischen Diesseits und Jenseits. Derwische, oder auch Sufis, sind Anhänger des Sufismus. Dieser war bis zum 9. Jahrhundert eine asketische Randgruppe, danach versteht man darunter alle Strömungen des Islam, die asketische Elemente aufweisen, also den bewussten Verzicht auf sinnliche Genüsse einschließen. Die ersten Sufis gab es bereits zu Lebzeiten des Propheten Mohammed im 7. Jahrhundert. Es handelte sich um asketische Einsiedler. Einer der bekanntesten Sufis war Hasan al-Basri (642-728). Seine Form der Askese beinhaltete wenig Schlaf, keinen festen Wohnsitz, keine Klage über Hitze oder Kälte und beständiges Fasten.

Orientalik im Türkei Urlaub: Das wundersame Ballett der tanzenden Derwische

Das Wahrzeichen von Konya ist das Mausoleum von Mevlana Dschalal ad-Din Rumi, dem Gründer des Mevlevi-Ordens, dem die tanzenden Derwische von Konya angehören. Für viele fromme Muslime und Sufis stellt die Stadt deshalb einen Wallfahrtsort dar. Bei den Tänzen der Derwische, die für Reisende im Türkei Urlaub so sonderbar anzusehen sind, handelt es sich um Trancetänze, einer Einswerdung mit dem Göttlichen. Die Tänzer drehen sich ununterbrochen um die eigene Körperachse. Andere Gruppen verbinden Atemübungen mit der Wiederholung des Gottesnamens. Der ekstatische Zustand, den die Tänzer in ihrem Tanzgebet erreichen, kann sich in Taumeln oder Schreien äußern. Manche berichten sogar von Visionen während des Tanzens. 1925 wurden die Tänze von Mustafa Kemal Atatürk verboten, seit 1954 sind sie aber wieder erlaubt.

Immer wieder erntet der Sufismus, vor allem von muslimisch-orthodoxer Seite, Kritik. Die Musik sei nicht mit der koranischen Offenbarung vereinbar, sie sei heidnischen Ursprungs und daher unislamisch, heißt es. Sufis halten dem entgegen, der Prophet Mohammed sei bei dem Einzug in Medina mit Musik vom Volk empfangen wurde. Auf die Frage hin, ob man die Musik beenden solle, antwortete der Prophet, dass die Menschen auch Zeiten der Fröhlichkeit mit Musik feiern sollen. Für die Sufis ist Musik deshalb ein Ausdruck von Freude in der Gegenwart Gottes.

Konya: Besuchen Sie auf Ihren Türkei Reisen den Ursprungsort des Mevlevi-Sufismus

Ihr oberstes Ziel ist es, Gott so nahe zu kommen wie möglich. Auf diesem Weg muss man, so der Glaube, die eigenen Wünsche zurückzulassen. Der Kern des Sufismus ist die Verbindung zwischen dem „Liebenden“ (Sufi) und dem „Geliebten“ (Gott). Durch die Liebe wird der Sufi zu Gott geführt. Die Wahrheit soll allerdings schon in diesem Leben erfahren werden, nicht erst im Jenseits. Interessant: Viele Sufis glauben, dass in allen Religionen eine grundlegende Wahrheit zu finden ist und dass die großen Religionen von ihrem Wesen her dasselbe sind. Einige suchen den Sufismus deshalb gar nicht nur innerhalb des Islams, also einer bestimmten Religion, sondern denken die Mystik würde über den Religionen stehen und diese erst bedingen.

Auch auf die westliche Welt hatte der Sufismus einen großen Einfluss. So gab der berühmte Schriftsteller Cervantes zu, dass sein Don Quijote sufistische Wurzeln habe. Viele Orden bildeten sich auch im Westen, die meist kaum oder gar keinen Bezug zum Islam hatten. Die Lehren der hauptsächlich in den 1970ern aktiven Sannyasins etwa, die sich um den geistigen Führer Osho bildeten, beinhalteten viele Elemente aus dem Sufismus.

 

 

 

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