„Denkmal der Menschlichkeit“ wird zu neuem Leben erweckt

Es sollte ein Denkmal zur Versöhnung mit den Armeniern sein. Doch der türkische Premier Erdogan hat den Abriss des 2006 vom türkischen Künstler Mehmet Aksoy geschaffenen Werks angeordnet. Der von ihm als "Monstrum" bezeichneten Statue wird jetzt durch zwei holländische Künstler eine Alternative entgegengestellt.

Das Projekt der zwei Holländer mit dem Titel „Helfende Hände“ soll eigentlich keine eindeutige politische Botschaft haben. Dennoch bietet sie durch ihre Gestalt ausreichend Raum für Interpretationen.

Im Gegensatz zu dem Monument in Kars handelt es sich bei dem Werk von Wouter Osterholt und Elke Uitentuis um eine mobile Aktion, die die immer noch anhaltende Debatte zwischen Kunst und Politik weiter befeuert und unter der Bevölkerug Istanbuls für nicht wenig Gesprächsstoff sorgt. Bisher rollt die Kopie der 35 Meter hohen Skulptur von Mehmet Aksoy durch die Stadtteile Pangaltı, Elmadağ und Taksim. Doch beim alleinigen Betrachten bleibt es nicht. Die Künstler fordern die Zuschauer auf selbst aktiv zu werden und einen Gipsabdruck ihrer Hände anzufertigen.

Alternative zu Mehmet Aksoy wandert durch Istanbul

Mit Blick auf die Entscheidung Erdogans, die bei einem Besuch in Kars Anfang Januar dieses Jahres fiel und für scharfe Debatten in der Bevölkerung sorgte, erklärt Elke Uitentuis: „Wir haben uns zum Zeitpunkt der Diskussionen in der Türkei aufgehalten und festgestellt, dass es zu dieser Skulptur viele kontroverse Meinungen gab. Dann haben wir angefangen darüber nachzudenken, welche Rolle solche Monumente in der Repräsentation politischer Propaganda einnehmen. Daraus entstand dann die Idee ein alternatives ‚Denkmal der Menschlichkeit‘ entstehen zu lassen, das nicht unbedingt nur Güte transportieren sollte, sondern auch Kritik, Widerstand und Ablehnung.“

Und genau das scheint durch die Beteiligung der Betrachter auch zu funktionieren. Es bleibt nicht bei einer einzigen politischen Botschaft stehen, sondern steht stellvertretend für viele verschiedene Meinungen zu diesem Thema.

„Wenn wir mit unserer Skulptur durch die Straßen ziehen, bleiben nicht wenige Menschen stehen, fragen uns, was das ist und wollen mit uns darüber sprechen“, erzählt Uitentius weiter. „Wir fragen sie dann, was sie von der Skulptur und die Debatte über sie halten und schließlich fragen wir sie, ob wir einen Abdruck ihrer Hand machen können. Wir stellen ihnen frei, welche Geste sie machen wollen. Die meisten entscheiden sich für einen Händedruck, das Victory-Zeichen oder eine Faust.“

„Helfende Hände“ sollen in Kars aufgestellt werden

Bisher haben es die beiden Aktionskünstler so auf über 100 Hände gebracht. Am Ende des Projekts soll das Ganze nach Kars verbracht und dort aufgestellt werden, wo einst das Original gestanden hat.

„Bei unserem Projekt geht es wirklich darum durch das Monument den öffentlichen Raum zu demokratisieren. Wir wollen, dass es ein Teil davon wird und alle Ansichten reflektiert, diejenigen, die für das Denkmal sind, diejenigen, die meinen, es sollte nicht politisch sein und diejenigen, die sagen, es wurde für politische Propaganda missbraucht“, erklärt Uitentius die Intention.

Das Projekt selbst läuft noch bis zum 14. Juli. Auch eine Ausstellung ist geplant. Näheres hierzu wird in kürze auf www.pist-org.blogspot.com bekanntgegeben.

Mehr hier.

Lesen Sie dazu außerdem:

“Denkmal der Menschlichkeit” bereits zur Hälfte abgerissen

“Denkmal der Menschlichkeit”: Abriss hat begonnen

“Denkmal der Menschlichkeit” muss weichen

 

 

Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.