Vollmond heute: Gibt es wirklich Auswirkungen?

Schlafstörungen, Gewalt, Leidenschaft und Unfälle: Die Menschen glauben hartnäckig an den Einfluss des Vollmondes. Alles nur "eine Art Placebo" oder "Selbst-Hypnose", meint der Psychotherapeut David Riha.

Seit heute Morgen 08:39:36 Uhr Mitteleuropäischer Sommerzeit (MESZ) steht der Vollmond am Himmel. Sicher haben Sie auch jemanden in Ihrer Bekanntschaft, der fest überzeugt ist, bei Vollmond öfter Kopfschmerzen zu haben und wesentlich schlechter zu schlafen als normalerweise. Bestimmt haben Sie auch von den – wissenschaftlich übrigens widerlegten – Mythen gehört, bei Vollmond würden sich mehr Zeugungen, Geburten, Gewalttaten und Autounfälle ereignen als zu anderen Zeiten. Noch nicht einmal Schlafstörungen bei Vollmond konnten statistisch nachgewiesen werden.

Die bekanntesten Mythen bei Vollmond

Weitere  Mythen halten sich hartnäckig in der Bevölkerung: So sei etwa die menschliche Blutung bis zu einem Drittel stärker als sonst, weshalb komplizierte Operationen von Chirurgen nicht in einer Vollmondnacht durchgeführt würden. Hausfrauen schwören sogar darauf, dass die Zeit besonders geeigent sei, um Flecken aus der Kleidung zu bekommen. Und für wen der Einfluss des Mondes noch immer nicht bewiesen ist, dem halten Mondgläubige entgegen: Schließlich starb Eisbär Knut, Star des Berliner Zoos, an einem Vollmond-Tag.

Warum aber ranken sich so viele Gerüchte um den vollen Mond? Verhält er sich wirklich anders als sonst? 40 Prozent der Deutschen behaupten, Auswirkungen an sich selbst während der unterschiedlichen Mondphasen zu spüren. Selbst die Tatsache, dass der menschliche Körper zu etwa 70 Prozent aus Wasser besteht, wird von einigen herangezogen.

„Mondfühligkeit ist eine Art Placebo“

Warum erleben sich manche Menschen als „mondfühlig“? Der Berliner Psychotherapeut David Riha vermutet gegenüber den Deutsch Türkischen Nachrichten eine Art Placebo-Effekt: „Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass sich zahlreiche körperliche Wirkungen real einstellen, wenn man glaubt, statt einer Zuckerpille ein wirksames Medikament zu erhalten.“

Beim Vollmond verhält es sich laut Riha ähnlich: „Wenn Menschen an die eigene ‚Mondfühligkeit‘ glauben, erwarten sie eine Wirkung. Aufgrund dieser starken Erwartung werden sie auch besonders sensibel in sich hinein spüren.“ Dann geschehe eine Art Selbst-Hypnose: „Aus der Forschung zu übertriebener Krankheitsangst wissen wir, dass Menschen, die sich und ihren Körper sehr genau beobachten, auch tatsächlich mehr Schmerzempfinden und Unwohlsein erleben.“ Diese Missempfindungen würden  dann einer vermeintlichen Krankheit – oder im Fall der „Mondfühligkeit“ eben dem Vollmond zugeschrieben. „Die starke Erwartung, dass bei Vollmond körperliche Effekte wie Schlafstörungen auftreten, erzeugt also – zusammen mit einer intensiven Selbstbeobachtung – das tatsächliche Eintreten dieser Effekte, so Riha.

Ähnliche Phänomene können laut Riha auch beim Freitag dem 13. auftreten. Zudem habe der Himmel immer schon eine besondere Bedeutung für die Menschen gehabt. Unerklärliche Wetter- und astrologische Phänomene wurden in vergangenen Zeiten oft göttlichen oder Schicksalsmächten zugeschrieben und eine Bedeutung für das eigene Leben gesucht. „Diese Suche nach Sinn, Bedeutung und Wirkung von beeindruckenden Himmelsveränderungen jeder Art ist auch heute noch tief in unserer Kultur verankert.“

Was hilft? Der Glaube an einen guten Schlaf

Darüber hinaus würden Ereignisse, die zeitlich nah beieinander liegen oft miteinander in Verbindung gebracht. Passiere in zeitlicher Nähe zu einer Himmelserscheinung etwas persönlich oder gesellschaftlich Bedeutsames, würde oft ein Rückschluss über einen Ursache-Wirkungs-Zusammenhang gezogen. „Hintergrund ist, dass das menschliche Gehirn immer versucht, zeitlich nahe Ereignisse sinnvoll miteinander zu verknüpfen.“ Dies passiere nach dem Motto: „Post hoc ergo propter hoc – Danach also darum“. Und was rät der Psychologe nun allen „Mondfühligen“? David Riha: „Machen Sie sich klar, dass allein ihr Glaube wirkt. Und dann stellen Sie sich einfach vor, dass der freundliche Vollmond Ihnen Ruhe, Entspannung und einen tiefen, erholsamen Schlaf schenkt.“

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