Sarrazin beim Türken: Was wirklich geschah!

Thilo Sarrazin in Kreuzberg: Was war da los? Randalierte der Provokateur? Wollte das ZDF einen Skandal inszenieren? Ist der Oberkellner ausgerastet? Versuch einer Rekonstruktion.

Die Ausgangsidee: Das ZDF möchte einen Beitrag für das Kulturmagazin „Aspekte“ drehen. Inhalt: Sarrazin unter Türken. Dazu begibt sich ein Kamerateam mit Sarrazin nach Berlin-Kreuzberg. Dort wohnen nach ZDF-Informationen einige Türken. Die türkisch-kurdische Journalistin Güner Balci begleitet Sarrazin bei seinem Rundgang.

Im Restaurant „Hasir“ nahe dem Kottbusser Tor kommt es schließlich zum Eklat: Leute sammeln sich vor dem Lokal, protestieren gegen Sarrazin. Schließlich drängen die Leute in den Innenraum, wüste Schreiduelle folgen. Nach einer Viertelstunde geht Sarrazin wieder. Die „Bild“-Zeitung und der Neuköllner Bürgermeister sprechen von Mobbing. Die Aleviten sehen eine gezielte Provokation. Aber was geschah wirklich? Wurde er rausgeschmissen? Gemobbt? Bedrängt? Oder waren ihm einfach die Preise in dem Lokal zu hoch?

Nach Recherchen der Deutsch Türkischen Nachrichten dürfte sich das Ganze so abgespielt haben:

Sarrazin zieht mit einem Kamerateam durch Kreuzberg. Die Szene ähnelt dem routinemäßigen Besuchs-Rundgang eines Lokalpolitikers. Daher werden die Passanten auf die Prozession aufmerksam. Bereits auf dem Weg zum Lokal wird Sarrazin von einigen Menschen erkannt und als „Rassist“ beschimpft. Im „Hasir“ begrüßte Restaurant-Geschäftsführer Hikmet Kundakci den Gast mit bekannter türkischer Höflichkeit. Er ist ein wenig überrascht von dem prominenten Besuch, denn er hat ihn nicht eingeladen. Hände wurden geschüttelt, eine freundliche Unterhaltung beginnt. Kundakci: „Sarrazin wollte wissen, wie hier alles angefangen hat“, wann das erste „Hasir“-Lokal aufgemacht habe und wie es dann weiterging. Der Legende nach hat „Hasir“ vor 35 Jahren den Kebap in Deutschland erfunden – das beliebte Grillfleisch im aufgeschnittenen Fladenbrot.

Anwohner riefen: „Sarrazin raus aus Kreuzberg!“

Die Ansammlung der wütend protestierenden Anwohner vor dem Restaurant nimmt  jedoch kein Ende. „Mindestens 30 Leute“ drängen in das Lokal, so Kundakci. Die Situation schaukelt sich hoch. Es kommt zu Wortwechseln und Beschimpfungen. Anwohner rufen „Sarrazin raus aus Kreuzberg!“. Sarrazin hält dagegen. Einem der Aufgebrachten ruft er entgegen, er beweise durch sein Verhalten Sarrazins Vorwürfe. Einen anderen beschimpft er als „linken Faschisten“. Einem Dritten, der sich als Ausländer zu erkennen gibt, belehrt er – er solle sich benehmen, er sei nur Gast.

Kundakci kann sich über seinen Gast nicht mehr richtig freuen. Der Wirt: „Ich hatte Angst, dass etwas passiert!“ Er fürchtet, dass die Lage eskaliert, dass Sarrazin auch körperlich angegriffen werden könnte. Kundakci sagt allerdings ganz klar: „Wir haben Thilo Sarrazin nicht rausgeschmissen.“ Zwar habe er ihn auch nicht eingeladen, doch in seinem Lokal sei jeder Mensch willkommen. Sarrazins persönliche Meinung zu Migranten interessiere ihn nicht, sagt er.

Die nächsten Minuten fallen unter die Rubrik Krisenmanagement.  Der Oberkellner des Restaurants, Mehmet Özkan, stets inmitten der Szene, versucht Ordnung in den Laden zu bringen – wie es eben die Aufgabe eines Oberkellners ist. Er sieht, dass sich da etwas aufschaukeln könnte, und ist besorgt, dass er Sarrazin nicht ausreichend schützen könnte. Özkan: „In unserem Laden gibt es keinen Sicherheitsdienst wie im Kanzleramt.“ Daher rät er dem ungebetenen Gast, den engen Gastraum zu verlassen – um die Lage zu deeskalieren. Ein „Rauswurf“ wäre ihm nie in den Sinn gekommen: „Ich lebe seit 20 Jahren in Deutschland. Ich respektiere jede andere Meinung. Ich weiss, wie man Gäste behandelt – schließlich fühle ich mich auch noch ein wenig als Gastarbeiter!“

Mit einem Tag Abstand versteht Kundakci die ganze Aufregung nicht mehr. Kundakci: „Man hat freundlich geredet, dann ist er gegangen. Mehr war nicht“. Dem Vorwurf eines inszenierten Eklats widerspricht das ZDF. Die Autorin des Beitrags, Güner Balci, war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Der Kebap kostet übrigens 2,50 Euro.

Mehr Speisen hier: www.hasir.de

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