Häusliche Gewalt: Jetzt schaltet sich Präsident Gül ein

Auf Grund zunehmender Fälle von häuslicher Gewalt will der türkische Präsident Abdullah Gül nun umfassende Untersuchungen einleiten. Daneben gibt es Pläne, Straftäter künftig elektronisch zu überwachen.

Wie das Büro des Präsidenten mitteilte, hat Gül die Präsidialamts-Untersuchungskommission DDK berufen, Fälle von Gewalt gegen Frauen umfassend zu untersuchen. In der entsprechenden Erklärung dazu heißt es, die DDK sei bestellt worden, um sich mit allen Aspekten der Situation auseinanderzusetzen, „einschließlich der Qualität und Effizienz der rechtlichen, administrativen und anderen Dienste, die sich mit diesem Thema befassen.“

Türkische Gerichte arbeiten bei häuslicher Gewalt zu langsam

Am gleichen Tag kündigte auch die frisch ernannte Familien- und Sozialministerin Fatma Şahin an, dass Straftäter per einstweiliger Verfügung auch mit Hilfe elektronischer Manschetten überwacht werden können. Bereits seit Beginn ihrer Amtszeit widmet sich die Ministerin dem Thema häusliche Gewalt. Ihre Abteilung habe sich vor allem den Vorfällen gewidment, bei denen Frauen von ihren Ehemännern getötet wurden, weil der Staat im Vorfeld versagt hat.

Genau diese Fälle werden jetzt vom Ministerium untersucht. Darunter auch der Fall von Ayşe Paşalı.  Sie wurde im Dezember 2010 von ihrem Ex-Mann auf offener Straße ermordert, nachdem ihr zuvor der Polizeischutz verwehrt wurde. Sie war in der Vergangenheit mehrfach von ihrem Ex-Mann geschlagen und auch vergewaltigt worden.

Elektronische Überwachung im europäischen Ausland erfolgreich

„Bei Fällen von Gewalt gegen Frauen werden wir die Vollstreckungsbehörden künftig stärken“, so Şahin. Den Familiengerichten müsse mehr Personal zur Verfügung stehen. Wir werden auch über elektronische Überwachungssysteme für Männer nachdenken, denen es auf Grund der Vorgeschichte verboten wurde sich ihren Frauen zu nähern. „Solche Systeme werden in vielen europäischen Ländern eingesetzt.“

Frauenverbände haben die Neuigkeiten positiv aufgefasst. Ein solches System sei ihrer Meinung nach sehr wichtig. Darüber hinaus sollte jedoch auch die Zusammenarbeit der Ermittler, Gerichte und der Polizei verbessert werden. Hier gelte es bestehende Gesetzeslücken zu schließen. Dazu gehöre auch das Abhören von Telefonanrufen, die Gewaltandrohungen beinhalten würden.

Erst in jüngster Vergangenheit kam es wieder zu einer Serie von Todesfällen. Allein an einem Wochenende starben Anfang Juli sechs Frauen durch häusliche Gewalt bzw. brachten sich auf Grund dieser um. In den ersten fünf Monaten des Jahres 2011 sollen es insgesamt 115 Frauen gewesen sein. 217 waren es im Jahr 2010 und 198 2009.

Mehr hier.

Lesen Sie dazu außerdem:

Häusliche Gewalt: Sechs türkische Frauen brutal umgebracht

.

Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.