Sarrazin in Kreuzberg: Die Heuchelei des ZDF

Der Zwischenfall um Thilo Sarrazin in einem Kreuzberger Lokal wirft vor allem auf das ZDF ein schlechtes Licht. Mit medialer Entourage und großem Kameraaufgebot wird Thilo Sarrazin durch Kreuzberg geschleppt – unter dem scheinheiligen Vorwand, man wolle ein Gespräch zwischen Sarrazin und Türken ermöglichen.

Kein Mensch nimmt dem ZDF diese Naivität ab. Wer die streitlustige Kreuzberger Reiseleiterin Güner Balci kennt, weiß: Sie hat eine Botschaft, die sie unters Volk bringen will. Diese Botschaft ist im Kern richtig: Nur wer die Diskriminierungen von Türken gegenüber Deutschen beim Namen nennt, nimmt die Türken wirklich ernst und behandelt sie gleichberechtigt.

Darüber kann man auch diskutieren und ja – man kann dieses Thema auch mit provokativen Mitteln medial unters Volk bringen. Was man jedoch nicht kann: Einen völlig ahnungslosen Gastwirt auf einmal zur Staffage für ein “kleines Fernsehspiel” machen. Das grenzt an Hausfriedensbruch und ist nur mit der Arroganz zu erklären, die sich manchmal im öffentlich-rechtlichen Kontext offenbart. Mit Gebührengeldern finanziert und im Grund niemanden gegenüber wirklich verantwortlich, wird für manch einen Fernsehmenschen die ganze Welt Kulisse. Big Brother (oder hier eher Big Sister) geht auch andersrum – etwa nach dem Motto: Wenn Sendungsbewusstsein auf Wirklichkeit trifft!

Dass die Bild-Zeitung das geworfene Stöckchen dankbar apportiert ist keine Überraschung. Sie ist kein Medium im engeren Sinn. Ihr Wesen ist die unendliche Inszenierung, das niemals enden dürfende Braten im eigenen Saft. Sie muss sich allerdings täglich auf dem Markt beweisen. Und wer sie nicht kaufen will, kann es bleiben lassen. Der Gebührenzahler dagegen zahlt, selbst wenn er den Fernseher nur für Eurosport nutzt. Aus diesem weltweit einmaligen Privileg erwächst den öffentlich-rechtlichen Sendern eine besondere Verantwortung. Sie müssen journalistische Regeln besonders genau einhalten. Dazu gehört die penible Achtung der Würde des einzelnen. Als Entschädigung für den Fehltritt sollte das ZDF für zehn Jahre die GEZ für das Restaurant “Hasir” und alle Bediensteten des Etablissements übernehmen.

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