Gespaltene PKK: Gründungsmitglied verteidigt tödliche Attacke

Gründungsmitglied und PKK-Kommandeur Cemil Bayık hat den Angriff auf 13 türkische Soldaten, der sich in der vergangenen Woche in einem Waldstück nahe des Städtchens Silvan ereignete, verteidigt. Gleichzeitig rügte er PKK-Chef Abdullah Öcalan für seine Gespräche mit der türkischen Regierung. Seiner Meinung nach gäbe es hier keine Lösung der Kurdenfrage, diese würden nur betrogen werden.

Hinter dem tödlichen Angriff, der sich am vergangenen Donnerstag ereignete, soll die so genannte „Ankara-Gruppe“ um die Kommandeure Cemil Bayik und Mustafa Karasu stecken. Die geschwächten türkischen Soldaten, die zu diesem Zeitpunkt bereits seit Stunden auf Patrouille waren, wurden aus einem Hinterhalt heraus angegriffen. Der Anschlag gilt als der schlimmste Zwischenfall seit die Terrororganisation im vergangenen Februar einen Waffenstillstand für beendet erklärt hatte.

Anschlag auf Soldaten in Silvan war „Notwehr“

In den Augen von Cemil Bayik ist der Angriff jedoch als „Notwehr“ der PKK gegen laufende militärische Operationen gegen die Terrororganisation zu werten. „Niemand stellt in Frage, warum diese Operationen weiterlaufen, obwohl die PKK und unserer Anführer Apo eine friedliche Lösung wollen“, so Bayik. Ähnlich sei das auch in Fall Silvan gewesen. Das türkische Militär hätte eine Operation gegen Guerillas gestartet. Diese hätten wiederum das Feuer auf die Soldaten eröffnet. Jetzt würde das Militär jedoch behaupten: „Warum habt ihr unsere Soldaten getötet?“ Auf der anderen Seite soll Bayiks Gruppe laut türkischer Justiz Verbindungen zu Kreisen der Armee unterhalten. Dies ist auch Teil der Anklage in den Prozessen gegen den angeblichen Geheimbund Ergenekon.

Unterdessen hat die Attacke nicht nur landesweit für Empörung gesorg. Gleichzeitig zeigt sie auch einen Riss in der Organisation selbst auf. Denn die Tat steht im krassen Gegensatz zu Öcalans kürzlich getroffenen Aussagen, als er erklärte, dass mit dem türkischen Staat ein Konsens für einen „Friedensrat“ getroffen worden sei.

Cemil Bayik uneinigkeit mit PKK-Chef Abdullah Öcalan

Denn Cemil Bayik sieht die Sache ganz anders. Seiner Meinung nach halte die Regierung die PKK hin mit dem Ziel sie endgültig zu beseitigen. „Bisher ist ungewiss, wann das Protokoll (des Friedensrats) überhaupt in Kraft treten wird. Es weiß keiner, ob das jetzt oder nächstes Jahr sein wird. Der Staat sagt zu diesem Thema gar nichts. Es wurde einfach akzeptiert. Das ist Bluff und Taktik. Auf diese Art und Weise wollen sie die PKK stoppen und sie langsam zugrunde richten.

Uneinigkeit herrscht zwischen Öcalan und Bayik auch hinsichtlich der Einrichtung sowohl eines Sicherheits- als auch eines Verfassungsrats. Auch hier kritisiert Bayik die fehlende Konkretisierung. Ein Datum zur Umsetzung fehle. Eine Bescheinigung der Akzeptanz von Seiten der türkischen Regierung reiche ihm jedenfalls nicht aus. Er ist der Überzeugung: „Auf diese Art wollen sie unsere Leute hinhalten. Sie wollen auch unseren Führer (Öcalan), unsere Bewegung, unsere Anhänger hinhalten.“

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