Stoltenberg: Angreifer „machte aus einem Paradies die Hölle“

Einen Tag nach den furchtbaren Anschlägen hat sich Norwegens Ministerpräsident Jens Stoltenberg an die Journalisten gewandt. Seit dem Zweiten Weltkrieg habe das Land keine solche Gewalt mehr erlebt. Nach jüngsten Schätzungen sind über 90 Menschen gestorben.

Bereits kurz nach dem Attentat hatte Stoltenberg, der sich nach dem Anschlag im Regierungsviertel zunächst an einem unbekannten Ort aufhielt, die Insel Utøya besucht. Zwei Stunden nach der Bombenattacke in Oslo waren dort mindestens 80 Menschen bei einer Attacke auf ein Ferienlager ums Leben gekommen.

Die Anschläge, die beide von einem norwegischen Einzeltäter aus der rechten Szene verübt worden sein sollen, hätten das Land verändert, so Stoltenberg. Der Täter habe aus einem „Paradies für Jugendliche die Hölle gemacht“. „Viele von den Menschen, die hier ihr Leben verloren haben, waren Leute, die ich gekannt habe. Ich kenne die jungen Leute und ich kenne ihre Eltern.“

Die Katastrophe von Utøya zerstörte ein Ferienidyll

Auch er selbst habe viele Sommer hier auf dieser kleinen Insel 40 km westlich von Oslo verbracht. Seit 1979 sei er jedes Jahr dort gewesen und hätte wunderschöne und sichere Tage verlebt. Jetzt sei das durch die brutale Gewalt eines Einzelnen zerstört worden. „Das, was in Utøya passiert ist, ist eine nationale Tragödie. Seit dem Zweiten Weltkrieg hat unser Land keine solche Gewalt mehr erlebt.“

Augenzeugin Anita Lien, die unweit des Tatorts lebt, beschreibt fürchterliche Szenen. „Ich die Leute ins Wasser springen. Etwa 50 von ihnen schwammen in Richtung Küste. Die Menschen schrien, zitterten, sie waren entsetzt. Sie waren so jung, zwischen 14 und 19 Jahre alt.“ Ähnliches beschreibt Jorgen Benone, der den Angriff überlebt hat. „Es war das totale Chaos… Ich glaube, einige sind bei dem Versuch aufs Festland zu gelangen, gestorben. Ich habe gesehen, wie Menschen erschossen wurden. Ich selbst habe versucht mich so still wie möglich zu verhalten und habe mich hinter einem Steinhaufen versteckt. Ich habe ihn sogar gesehen, gute 20, 30 Meter von mir entfernt. Ich hatte wirklich Angst um mein Leben und habe an alle, die ich liebe gedacht.“

Attentäter trat in Polizeiuniform auf

Viele der jungen Leute befanden sich zum Zeitpunkt des Überfalls im Haupthaus und sprachen über die Ereignisse in Oslo. Als die ersten Schüsse fielen, glaubten nicht wenige von ihnen an einen Scherz. Als dann der Täter, der sich als Polizist verkleidet hatte, auftauchte, brachen tumultartige Szenen los. Jeden wolle er erwischen, kündigte er an und begann auf die Leute, auch die im Wasser, zu schießen. Noch in der Nacht suchten Boote nach Überlebenden, Scheinwerfer leuchten die Küste ab. Rettungshubschrauber kreisten.

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