Norwegischer Attentäter war besessen von der Türkei

Anders Behring Breivik, der am vergangenen Freitag nach neuesten Erkenntnissen mehr als 70 Menschen tötete (die Zahlen wurden von der Polizei nach unten korrigiert), soll auf die Türkei und die Türken besonders großen Hass gehabt haben. Das geht aus seinem 1500 Seiten starken Manifest hervor, das er kurz vor den Taten im Internet veröffentlicht hat.

In seinem Machwerk mit dem Titel „2083: A European Declaration of Independence“ bezieht sich der mutmaßliche Täter gleich viele hundert Male auf das Osmanische Reich und die Türkei. Im Zuge dessen reflektiert er mehrere Jahrhunderte der Weltgeschichte, die er anschließend ausgesprochen revisionistisch interpretiert, indem er diese als einen fortlaufenden Konflikt zwischen Muslimen und Christen darstellt. Aus seinem Manifest geht auch hervor, dass er die Türkei bereits mehrmals besucht hat.

Insgesamt nennt er ganze 237 Mal die Türken und die Türkei. Abgesehen davon finden sich unzählige weitere Stellen, in denen er sich mit der osmanischen Geschichte und den Seldschuken, mit dem Fokus auf religiöse Minderheiten, auseinandersetzt. Darin beschuldigt er die Türken des Genozids an zahlreichen dieser Minderheiten, darunter auch der Armenier, der orthodoxen Griechen und der orthodoxen Assyrer.

Breivik lehnt einen EU-Beitritt der Türkei völlig ab

Ausführlich widmet er sich dem Tanzimat, dem Reformedikt Islahat Fermanı, der Zeit unter Abdülhamid II. sowie der frühen republikanischen Periode. Bereits auf Seite 187 kommt er darin zu dem Schluss, dass „Erdoğans Bemühungen der Re-Islamisierung der Türkei völlig konsistent mit der Rückkehr der Türkei in seine Osmanische Vergangenheit“ sei und damit in ein Reich, begründet auf dem Dschihad und regiert von der Scharia, mündeten. Auf Grund dessen ist Breivik auch der Überzeugung, dass ein EU-Beitritt des Landes komplett abzulehnen sei. Ab Seite 235 widmet er sich dann der Schlacht um Wien. Jetzt beschuldigt er die Türken der Islamisierung von Bosnien und des Kosovos.

Doch auch für die EU und die UN hat Breivik wenig übrig. So schreibt er auf Seite 313, dass die EU die bewusste Zerstörung der kulturellen Traditionen ihrer Mitgliedsstaaten durch eine Überflutung mit Einwanderern vorantreibe. In seinen Augen eine grobe Verletzung der Rechte der indigenen Völker. Denn Europa sei eines der Gebiete auf der Welt, das am reichsten an kulturellen Traditionen sei. Diese durch die Scharia und die Barbarei zu erstürmen sei ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Die EU sei demnach der wichtigste Motor hinter der Islamisierung Europas und habe damit wohl den größten Verrat an seinen Zivilisationen in der gesamten Geschichte begangen. Und genau das müsste umgehend gestoppt werden.

Der Islam ist widerstandsfähiger als angenommen

Hunderte Seiten später ist für ihn klar: Das „Atatürk Konzept“ zur Modernisierung der Muslime ist gescheitert. „Viele moderate konservative Kulturkritiker haben vorgeschlagen, dass ein Verbot der Scharia alle unsere Probleme lösen und die  Muslime dazu bringen würde sich zu integrieren. Leider ist der Islam sehr viel widerstandsfähiger als die Menschen begreifen können.“

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