RBB-Doku: Die Hintergründe zum Ehrenmord an Hatun Sürücü

Eine RBB-Dokumentation greift den Ehrenmord an Hatun Aynur Sürücü im Jahr 2005 wieder auf und beleuchtet die Hintergründe. Auch ihr Bruder, der den Mord begangen hat, kommt zu Wort.

Sechs Jahre nach der Ermordung von Hatun Aynur Sürücü (* 17. Januar 1982 in Berlin – 7. Februar 2005 ebenda) erscheint eine Dokumentation, die die Hintergründe der Tat beleuchtet. In „Verlorene Ehre – Der Irrweg der Familie Sürücü“ befragen die RBB-Reporter Matthias Deiß und Jo Goll verschiedene Gesprächspartner, die in den Fall verwickelt waren. Mit dabei sind auch den Täter Ayhan Sürücü und sein Bruder Mutlu.

In dem RBB-Interview in der Justizvollzugsanstalt in Berlin-Charlottenburg sagt Ayhan Sürücü: „Mir war klar, dass ich sie töten werde, und ich habe niemanden gesehen, der mich davon abhalten könnte. Ich war damals regelrecht besessen.“ Am Tatabend habe es Streit über das selbstbestimmte und in den Augen der Brüder freizügige Leben Hatuns gegeben. Als die Situation eskalierte, schoss der Bruder aus unmittelbarer Nähe dreimal auf sie. Angeblich hatte sie noch um ihr Leben gebettelt. Nicht nur um Glauben und Religion sei es ihm gegangen, sondern auch um Respekt. Reue für die Tötung seiner Schwester scheint Ayhan Sürücü nicht zu empfinden.

Der Fall Hatun Sürücu

Hatun Sürücü war kurdischer Herkunft, ihre Eltern kamen 1970 von der Türkei nach Berlin. Acht der neun Kinder wurden in Deutschland geboren. Hatun Sürücü wuchs mit fünf Brüdern und drei Schwestern in Berlin-Kreuzberg auf und lebte nach deutschen Gepflogenheiten, was immer wieder zu Auseinandersetzungen innerhalb der Familie führte. Mit 16 wurde sie mit einem Vetter in der Türkei zwangsverheiratet,  1999 wurde sie schwanger. Nachdem sie sich mit ihrem Mann und seiner streng gläubigen Familie zerstritten hatte, kehrte sie allein nach Berlin zurück und brachte hier einen Sohn zur Welt. Hatun Sürücü legte ihr Kopftuch ab und versuchte von nun an selbstbestimmt zu leben.

Am 7. Februar 2005 wurde sie vor ihrer Wohnung mit drei Kopfschüssen getötet. Drei ihrer Brüder wurden daraufhin verhaftet. Im Zuge der Ermittlungen schien sich der Anschein, dass alle drei Brüder zusammen gearbeitet hatten, zu bestätigen. Es ging darum, die Familienehre zu verteidigen. Den Mord ausgeführt hatte allerdings der jüngste Bruder Ayhan. Der Vater der Familie soll die Tat unterstützt haben. Ayhan Sürücü wurde zu einer Haftstrafe von neun Jahren und drei Monaten verurteilt, seine älteren Brüder wurden aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Der Fall löste eine breite gesellschaftliche Debatte aus.

Die Dokumentation wird am Mittwoch, den 27.7.2011 um 23 Uhr in der ARD ausgestrahlt.

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