Blendung in letzter Minute abgesagt: Säureopfer begnadigt ihren Peiniger

Die Iranerin Ameneh Bahrami, die im Jahr 2004 aus verschmähter Liebe von einem Mann mit Säure übergossen worden war, hat darauf verzichtet, Rache zu üben. In letzter Minute begnadigte sie ihren Peiniger.

Ameneh Bahrami hatte 2004 den Heiratsantrag von Majid Movahedi abgewiesen. Daraufhin hatte der Mann ihr aufgelauert und sie mit Schwefelsäure übergossen. 17 Operationen hatte die junge Frau daraufhin über sich ergehen lassen müssen, blieb jedoch dauerhaft entstellt und blind und schwor auf Rache. Gleiches Schicksal, was sie erlitten, wollte sie auch dem Täter zukommen lassen. „Qisas“, das Prinzip der Wiedervergeltung, erlaubt unter dem Gesetz der Scharia eine solche Möglichkeit. Nun hat sie in letzter Minute von diesem Plan abgelassen, berichtet das staatliche iranische Fernsehen auf seiner Website.

Ameneh Bahrami : „Ich tat es für mein Land“

Die Nachrichtenagentur ISNA zitiert den Teheraner Staatsanwalt Abbas Jafari Dolatabadi mit den Worten: „Als heute  im Krankenhaus die Blendung von Majid Movahedi in Gegenwart eines Augenarztes und eines Vertreters der Justiz durchgeführt werden sollte, hat Ameneh ihn begnadigt.“

ISNA zitiert des Weiteren Frau Bahrami, die sagte: „Ich habe sieben Jahre für dieses Urteil gekämpft, um den Leuten zu beweisen, dass die Person, die Säure in mein Gesicht schleuderte, durch ‚qisas‘ bestraft werden sollte, aber heute habe ich ihm verziehen, weil  ich das Recht dazu hatte.“ […] „Ich tat es für mein Land, da alle anderen Länder zuschauten, was wir tun würden.“

„Ich wollte nie Rache an ihm verüben“

Ms Bahrami wurde im iranischen Fernsehen mit den Worten zitiert: „Ich wollte nie Rache an ihm verüben, ich wollte nur das Gerichtsurteil für eine Vergeltung erwirken. Aber ich hätte es nicht durchgeführt, ich hatte nicht die Absicht, ihm das Augenlicht zu nehmen. “

Staatsanwalt Dolatabadi sagte ISNA, Frau Bahrami erhebe Anspruch auf „Blutgeld“ bzw. Schadenersatz für ihre Verletzungen. Er lobte ihre Begnadigung als „mutigen Akt“.

Frau Bahrami sagte, sie habe nie Geld von der Familie des Mannes erhalten, sie wolle nur Entschädigung für die Arzthonorare, die bei etwa 150.000 Euro lägen.

„Ameneh hatte die Kraft, Majid Movahedi zu vergeben“

Sie sagte: „Er wird nicht frei kommen. Laut Gerichtsurteilmuss er zehn bis zwölf Jahre hinter Gitter, von denen er sieben abgesessen hat. Bis nicht die volle Entschädigung gezahlt ist, wird er nicht frei kommen“

Bahramis Mutter wird mit den Worten zitiert: „Ich bin stolz auf meine Tochter […] Ameneh hatte die Kraft, Majid zu vergeben. Diese Vergebung wird Ameneh und unserer Familie Ruhe schenken.“

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