Ramadan in Libyen: Gaddafi könnte Ruhephase für Aufrüstung nutzen

Der Ramadan in Libyen gibt den Rebellen nicht nur Zeit zu beten, sondern auch ihre Strategien zu überdenken. Aber auch Gaddafi könnte die Ruhe nutzen, um neu aufzurüsten.

In Libyen begannen die Rebellen Ramadan in der Abenddämmerung mit Plastikbechern voll warmer Milch, gedörrten Datteln und Reden. Der Kampf des Propheten Mohammed im siebten Jahrhundert ist ihnen eine Inspiration – und der heilige Monat soll ihre Entschlossenheit noch verstärken. Fasten und Gebet gehören aber ebenso dazu und jeder ist sich der schwierigen Lage bewusst: die Konflikte halten an, einen ihrer Anführer haben sie verloren. Die Tötung von Abdel Fatah Younis hat in Frage gestellt, ob die Rebellen geschlossen gegen Muammar al-Gaddafi vorgehen können. Auch wer anschließend die Führung in Libyen übernehmen könnte, ist nicht klar.

Die Arbeit verlangsamt sich traditionellerweise im Ramadan, weil die müden und hungrigen muslimischen Angestellten spät schlafen und früh nach Hause gehen. In Libyen könnte eine solche Pause, nach all den erreichten militärischen und diplomatischen Fortschritten, den Rebellen allerdings zum Nachteil gereichen – Gaddafis Gefolgschaft könnte die Ruhe nutzen, um erneut aufzurüsten.

Ramadan in der übrigen arabischen Welt

Auch an anderen Orten in der arabischen Welt begegnen muslimische Regierungsgegner dem Ramadan in einer unsicheren Zeit. Der heilige Monat könnte aber als eine Zeit der spirituellen, sowie strategischen Reflektion genutzt werden. Im Yemen, einem verarmten Land mit chaotischen Zuständen, erwarten Diplomaten im August keine großen Veränderungen der politischen Lage.

In Syrien wollten die Aktivisten den heiligen Monat nutzen, um ihre Zahl zu vergrößern. Am Montagabend strömten die Massen direkt von den Gebeten in den Moscheen auf die Straße, um erneut zu protestieren. Doch die Regierung führte eine Razzia fort, die bereits am Vorabend des heiligen Monats begonnen hatte. Es handelt sich um eine der blutigsten Auseinandersetzungen seit Beginn der Proteste.

In Bahrain, wo ein sunnitischer König über eine mehrheitlich schiitische Bevölkerung herrscht, hat die Regierung Schritte eingeleitet, um den Spannungen entgegen zu wirken. Viele laufende Prozesse gegen regierungsfeindliche Demonstranten und Politiker werden erst nach dem Ramadan fortgesetzt werden. Am Wochenende hat der König eine Gehaltserhöhung für Beamte angekündigt.

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