Sterben die Türken aus?

Die Geburtenrate in der Türkei geht zurück, die Familien verändern sich - so das Ergebnis einer aktuellen Umfrage.

Die Geburtenrate geht zurück, auch weil Kinder nicht mehr als finanzielle Absicherung im Alter betrachtet werden, sondern eher Kosten verursachen, so das Ergebnis einer aktuellen Umfrage. Professor Cigdem Kagitcibasi, der diese durchgeführt und die Ergebnisse in einem Buch festgehalten hat, sieht den Grund dafür in der zunehmenden Urbanisierung:

„Die finanziellen Erwartungen, die [Eltern] an ihre Kindern richten, gehen zurück, denn in den Städten sind der Wohlstand, sowie [andere Formen von] sozialer Sicherheit, gestiegen. Der Nutzen davon, Kinder in die Welt zu setzen, geht immer mehr zurück und die Kosten steigen. Insgesamt ist der Wert, der Kindern beigemessen wird, nicht zurück gegangen. Der psychologische Wert tritt allerdings nun in den Vordergrund.“ Kinder, die bislang durch ihre Arbeit auf dem Feld zum Vermögen ihrer Familien beigetragen hätten, seien nun zu Konsumenten in den Städten geworden und täten dies nicht mehr.

In der Türkei habe die Urbanisierung aber nicht zu Individualisierung und Abgrenzung geführt, wie in anderen Ländern. Enge Beziehungen und Bindung an Familie und Partner seien nicht zurück gegangen: „Die finanzielle Abhängigkeit in Familien hat nachgelassen, die psychologische Abhängigkeit ist aber noch so stark wie zuvor. Das zeigt, dass das gesamte System einer Familie sich verändert hat.“

Ein Sohn als Nachkomme ist nicht mehr so entscheidend wie früher

Neben der allgemeinen Geburtenrate ist in den letzten 30 Jahren auch der Wunsch nach einem Sohn, statt einer Tochter, als Nachkomme zurückgegangen.  1970 hatten bei der selben Erhebung noch 84 Prozent der Teilnehmer ein männliches Kind bevorzugt. 2003 wünschten sich bereits nur noch 41 Prozent der Mütter in den Städten einen Jungen, 58,9 Prozent ein Mädchen.

Das Buch “Family, Self and Human Development across Cultures: Theory and Applications.” („Familie, Selbst und menschliche Entwicklung über verschiedene Kulturen hinweg: Theorie und Anwendung“) erschien in der Türkei und anderen Ländern.

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