Gewalt gegen Frauen in der Türkei: Auch Bodybuilderin unter den Opfern

Gewalt gegen Frauen in der Türkei hat nun auch ein prominentes Gesicht. Wie die türkische Bodybuilding-Meiserin der Türkei 2001, Işıl Oktan Aktan, erklärte, ist auch sie Betroffene.

Die junge Frau fand erst am vergangenen Samstag den Mut vor die Presse zu treten, um das zu erzählen, was ihr durch den eigenen Ehemann widerfahren war.  Işıl Oktan Aktan wurde von ihrem gewalttätigen Gatten „geschlagen und aus dem Haus geworfen“. Aktan, die derzeit als Moderatorin bei TV-Fernsehsender TRT arbeitet, erklärte, dass sie in neuen Ehejahren gleich mehrmals verprügelt wurde.

„Er zog mich an den Haaren zurück. Ich fiel hin. Er trat mir gegen den Kopf und ins Genick und begann zu schreien: ‚Ich werde dich verstümmeln‘. Wenn du eine Bodybuilderin bist, dann kannst du ja deine Muskeln einsetzen, um wieder hoch wieder hoch zu kommen.“ Doch warum hat sie genau das offenbar nicht getan? Gegenüber der türkischen Presse erklärte die ehemalige Spitzensportlerin, dass sie schlicht nicht in der Lage gewesen sei, den Mann zu schlagen, mit dem sie sich ein Kopfkissen teile.

Der Mann von Işıl Oktan Aktan hatte Ego-Probleme

Der Athletin, die am Montag die Scheidung eingereicht hat, erging es während ihrer Ehe wie vielen anderen Frauen in der Türkei, deren größte Angst darin bestand von ihrem eigenen Mann, ihrer lebt heute übrigens in der gleichen Straße wie sie, umgebracht zu werden.

„Mein Mann unterstützte mich nicht einmal an dem Tag, an dem ich türkische Bodybuilding-Meisterin geworden bin. Ich habe gehört, dass er gegenüber Freunden gesagt hat, dass er es nicht gerade für schön halte. Er war der Ansicht, dass eine Frau nie besser als ein Mann sein dürfe, nicht was die Muskeln angehe, nicht was ihre Seele noch was ihre finanzielle Situation betreffe. Doch wenn genau das passiert, dann machen Leute mit Ego-Problemen eben genau diese Dinge.“

Ihr Ehemann, İbrahim Oktan, habe sie auch ein paar Mal ins Gesicht geschlagen. Nur wegen des Kindes sei sie still geblieben. Ausgebrochen war der Konflikt mit ihrem Ehemann, der übrigens kein Geld beisteuerte, im Zuge eines Streits um spezielles Essen für die Sportlerin. „Ich erklärte ihm, dass mein Budget Grenzen hätte und dass ich mir nur mein eigenes Spezialessen leisten könne. Dann griff er mich an und sagte: ‚Ich zahle hier die Miete.'“ Dann drohte er ihr mit zahlreichen Kraftausdrücken, sie aus dem Haus zu werfen.

Işıl Oktan Aktan schwieg wegen des gemeinsamen Kindes

Ungefähr 20 Minuten hatte er damals auf die eingeschlagen. „Er stand auf. Er wollte, dass ich erwidere. Doch ich habe die Seele einer Frau… Ich habe solange darüber Stillschweigen bewahrt, weil wir ein Kind zusammen haben.“ Eines Tages hat er es dann aber doch getan. Er schmiss Işıl aus dem gemeinsamen Haus und erklärte ihr, dass sie nie wieder kommen könne. Sogar die Schlösser habe er ausgetauscht. „Meine Wunden sind verheilt“, sagt die junge Frau heute. „Gott sei Dank. Denn am 23. und 25. September sind die Qualifikationen für die Weltmeisterschaft und da will ich einen Pokal gewinnen. Mein Ehemann war das größte Hinderniss in meinem Leben. Jetzt haben meine Anwälte die Scheidung eingereicht. Auch um Schmerzensgeld wird es gehen. Ich habe auch ein Gutachten, dass er mich am Genick und am Kopf geschlagen hat. Er drohte mich zu erstechen, falls ich zur Polizei gehe. Auch an meinen Schultern habe ich Verletzungen.“

Zwei neue Mordfälle an Frauen erschüttern die Türkei

Zeitgleich mit dem Geständnis von Işıl Oktan Aktan gab es in der Türkei zwei weitere Fälle von häuslicher Gewalt. Die 30-jährige Elem Ünal wurde tot in Adana aufgefunden. In ihrer Brust steckten sechs Kugeln. Als Hauptverdächtiger gilt ihr 31-jähriger Ehemann Muhammet Ünal. Erst am vergangenen Sonntag wurde die 28-jährige Gülnaz Erol vermutlich ebenfalls von ihrem Mann, dem 34-jährigen Abdülbari Erol, getötet. Dieser wurde bereits in Gewahrsam genommen. Während eines Streits hatte er ihr die Kehle aufgeschlitzt und es anschließend dem Nachbarn gebeichtet.

Im Schnitt werden in der Türkei jeden Tag fünf Frauen von ihren Männern getötet. In den vergangenen sieben Jahren sind die Fälle stark angestiegen. Allein in den ersten sechs Monaten des Jahres 2011 gab es 105 Opfer häuslicher Gewalt. Oftmals geschieht dies trotz vorheriger gerichtlicher Anordnungen oder anderer Schutzmaßnahmen. Für Aufsehen sorgte jedoch vor allem der Fall von Ayşe Paşalı. Ihr wurde Polizeischutz verwehrt. In folge dessen erstach sie ihr Mann am hellichten Tag und auf offener Straße in İzmir.

Mittlerweile wird auch die Politik aktiv: Die neue Familienministerin Fatma Şahin hat sich insbesondere diesem Thema verschrieben. Erst in der letzten Woche gab sie bekannt, dass nun elektronische Fesseln für Missbrauchstäter und so genannten Panik-Buttons für weibliche Stalkingopfer, eingeführt werden.

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