Säureopfer Bahrami: Ihr Peiniger Movahedi zeigt keine Reue

Ameneh Bahrami, das Säureopfer, das ihren Peiniger kürzlich begnadigte, äußerte sich zu ihrem Sinneswandel.

Ameneh Bahrami hatte ihren Peiniger nur wenige Minuten bevor die Strafe ausgeführt wurde begnadigt: Madschid Movahedi sollte geblendet werden, um Gleiches mit Gleichem zu vergelten, wie es “Qisas”, das Prinzip der Wiedervergeltung, in der Scharia vorsieht. Movahedi hatte bereits ein Anästhetikum erhalten, als Bahrami die Prozedur unterbrechen ließ. Zwei Männer hätten zu ihrem Sinneswandel beigetragen, so die Iranerin: Ein Doktor an einer spanischen Klinik und Amir Sabouri, der ihr dabei half, medizinische Aufmerksamkeit zu erlangen.

In einem Interview mit Spiegel Online schilderte Bahrami den Moment nach der Begnadigung: „Madschid hat wahnsinnig geweint. Er warf sich mir zu Füßen und küsste sie. Sein Vater und seine Mutter taten es ihm gleich. Sie konnten es erst nicht glauben. Madschid sagte zu mir, ich hätte ihm ein zweites Leben geschenkt. ‚Komm und heirate mich, ich möchte dein Diener sein‘, sagte er zu mir. Ich habe ihm geantwortet, er solle jetzt keine Komödie daraus machen.“

Ein Peiniger ohne Reue und nur der halbe Schadensersatz für Frauen

Trotz ihrer Begnadigung habe Movahedi keine Reue gezeigt und sei noch immer gemein zu ihr. Nicht einmal jetzt, im heiligen Monat Ramadan, in dem Entschuldigungen als ein Ausdruck von Mitgefühl üblich sind. Der Schadensersatz den sie fordert, beläuft sich inzwischen auf etwa 200.000 Dollar, so Bahrami. Weil sie eine Frau ist, stünde ihr aber nur die Hälfte zu, klagt sie. Dagegen habe sie sich gewehrt und eine Gesetzesänderung gefordert.

Das Geld werde sie für ihre medizinische Behandlung einsetzen. Ihr Peiniger Movahedi verfüge momentan nicht über so viel Geld, deshalb fordert sie, dass er im Gefängnis bleibt, bis er sie bezahlen kann. Ein iranisches Gericht hatte Movahedi 2008 für schuldig befunden, einen Eimer Säure über Ameneh Bahrami geschüttet zu haben, weil sie sein Werben um ihre Hand zwei Jahre lang zurückgewiesen hatte. Damals hatte Bahrami verlangt, ihm solle dasselbe Schicksal widerfahren wie ihr – das Gericht hatte zugestimmt.

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