Facebook: Muslime sollen TV-Serien boykottieren

Der Ramadan bedeutet nicht nur Verzicht auf Genussmittel. Nur einige Tage vor seinem Beginn riefen einige Facebook-Gruppen dazu auf bestimmte TV-Serien, die das arabische Fernsehen während des Fastenmonats ausstrahlt, nicht anzusehen.

Während der Zeit des Ramadans sollen sich die Gläubigen nicht nur körperlich, sondern auch spirituell reinigen. Dazu gehört nicht nur das Fasten am Tag, sondern auch das häufigere Beten sowie intensivere religiöse Reflexionen. Einige TV-Sendungen, so befürchten zahlreiche Facebook-User, könnten dem zuwider laufen.

Serien werden aus religiösen und politischen Gründen gemieden

Dazu gehört zum Beispiel das TV-Drama „Samara“ von Mustafa Muharam und Mohamed al-Naqli, in dem auch der ägyptische Star Ghada Abdel Razek mitwirkt. Gut 23.000 Menschen haben sich bisher im Sozialen Netzwerk zusammengeschlossen, um die Serie zu boykottieren. Sie stören sich an der Darbietung der attraktiven Schauspielerin – darunter etwa zahlreiche Bauchtanz-Szenen – und finden, dass eine Ausstrahlung dieser Serie während des Ramadans überhaupt gänzlich unpassend sei. Für viele Bürger ebenso pikant: Razek hat das Regime Mubarak unterstützt und die Revolution scharf kritisiert.

Doch nicht nur gegen „Samara“ haben die User etwas einzuwenden. Auch die TV-Serie „Keed El-Nesa“ haben sie aus ganz ähnlichen Gründen auf ihrer Agenda. So enthalte sie ebenfalls einige unangebrachte Szenen. Die protestierende Facebook-Gruppe zeigt sich derweil in zwei Lager gespalten. Auf der einen Seite diejenigen, die hier streng religiös argumentieren. Auf der anderen Seite User, die zwar nichts gegen die Serie generell haben, aber ihre Ausstrahlung während des Ramadans nicht für angebracht halten. Ungeahnte Aufmerksamkeit erhielt auch „Al-Hassan and Al-Hussein„, die im ägyptischen Satellitenfernsehen auf den Kanälen Haya TV und al-Nahar gezeigt wird. Gleich 13 gegnerische Facebook-Seiten wurden darauf hin ins Leben gerufen. Ähnliches geschah bezüglich der Serie „Adam“, auch wenn der Ärger hier ausnahmsweise nicht religiösen Ursprungs war, sondern sich gegen Hauptdarsteller Tamer Hosny richtete. Ähnlich wie seine Kollegin Razek hatte er sich hinter Mubarak gestellt und ihn gar als Vaterfigur bezeichnet, später allerdings zwei Songs für die Revolution komponiert.

Facebook ist das falsche Medium für einen TV-Protest

Ob die Facebook-Kampagnen von Erfolg gekrönt sein werden, das bezweifelt die Filmkritikerin Magda Khairallah allerdings stark. Die Art der Bewegung sei ihrer Meinung nach denkbar schlecht geeignet, um gegen TV- und Kinofilme zu protestieren, da es sich hier um sehr persönliche Entscheidungen jedes einzelnen handle. Zudem sei die Ausstrahlung solcher Sendungen während des Ramadans in der arabischen Welt Tradition. Gerade bei Hausfrauen, die ohnehin keine hohen religiösen Ansprüche an das Programm stellten, wären diese Sendungen äußerst beliebt.

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