Türkische Zentralbank verwirrt mit Senkung des Leitzinses

Auf den Börsen ging es in der vergangenen Woche vor allem abwärts. Die türkische Zentralbank überraschte die Welt durch eine Senkung der Leitzinsen. Beobachter rätseln über die Ursachen für diesen Schritt.

Weltweit brachen gestern und heute die Börsenkurse ein:  Laut Spiegel verlor der Nikkei in Tokio 3,7 Prozent. Die Börse in Hongkong fiel sogar um 4,7 Prozent, die Aktien in Shanghai notierten 1,7 Prozent im Minus. Der Markt in Sydney verbuchte ein Minus von 4,0 Prozent, die Börse in Seoul von 3,7 Prozent. Der DAX brach am Freitag zeitweise um mehr als 4% ein. Während Analysten noch bemüht sind, die Gründe zu benennen, verwirrte die Türkische Zentralbank (TCMB) die Finanzmärkte laut Presseberichten zusätzlich durch eine überraschende Senkung des kurzfristigen Leitzinses von 6,25% auf 5,75%.Auf ihrer Internetseite hat die TCMB diesen Schritt mit Sorgen um die Staatsverschuldungskrisen in Europa und die gedämpften globalen Wachstumserwartungen begründet. Um den Abwärtstrend in der kurzfristigen Zinsentwicklung abzubremsen, erhöhte die TCMB außerdem den Tagesleihzins von 1,5% auf 5%, während der Lombardsatz (den von der Zentralbank festgesetzten Zinssatz, zu dem sich Banken bei den Zentralbanken Geld leihen können) weiterhin bei 9% bleibt. Insgesamt will die TCMB so das Risiko einer Rezession in der Türkei mit ihrer schnell wachsenden Wirtschaft vermindern.

Türkischer Zentralbank Wachstum wichtiger als Preisstabilität?

Kritiker beurteilen den Schritt allerdings als kontraproduktiv. Damit würden bisherige Anstrengungen, die brodelnde Wirtschaftsentwicklung durch gezielte finanzpolitische Maßnahmen zu beruhigen, untergraben. Hürriyet Daily News berichtet, Wirtschaftsexperten würden den Schritt so interpretieren, dass der TCMB wirtschaftliches Wachstum wichtiger sei, als Preisstabilität.

Das türkische Wirtschaftswachstum betrug 2010 mit 8,9% deutlich mehr, als erwartet. Allerdings warnte die Ratingagentur Moody’s diese Woche, dass die stetig wachsende Staatsverschuldung und das Ungleichgewicht zwischen Exporten und heimischem Konsum die erwarteten Wachstumsraten beeinträchtigen könnten: Die Wirtschaft zeigt leichte Anzeichen einer Überhitzung. In diesem Jahr dürfte das Kreditvolumen um fast 40 Prozent gegenüber dem letzten Jahr zunehmen. Grund dafür sind die starke private Konsumnachfrage und intensive Investitionstätigkeit. Gleichzeitig hat die türkische Lira im letzten Jahr rund 16% gegenüber Dollar und Euro verloren.

Gezieltes Handeln der Regierung, um Türkei zu schützen

Das Wall Street Journal berichtet, am Freitag haben der türkische Finanz-, Wirtschafts- und Industrieminister der Öffentlichkeit nacheinander versichert, es bestünde kein Grund zur Panik. Die türkische Regierung und Zentralbank würden gezielt handeln, um zu verhindern, dass die Türkei von weiteren globalen Einbrüchen in Mitleidenschaft gezogen würde.

„Wir können keine Entwicklungen zulassen, die eine Rezession in der Türkei verursachen würden“, sagte Industrieminister Nihat Ergun bei einer Pressekonferenz in Ankara. Man sei sich innerhalb der Regierung über eine straffe Finanzpolitik einig, um einen Anstieg des Preisniveaus zu verhindern.

Ob dies durch billigeres Geld erreicht werden kann, darf Experten zufolge allerdings bezweifelt werden.

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