Döner verkaufen im Ramadan? Die absolute Härte!

Fasten zwischen Döner und Pommes: Wie kommen eigentlich Dönerverkäufer mit dem Fasten zurecht? Wie können sie der Versuchung widerstehen zu essen, und wie schaffen sie es, dass das Essen nicht versalzen ist, wenn sie es vorher nicht probieren dürfen? Eine Umfrage in Berlin-Kreuzberg.

„Es ist schwer“, das ist die Antwort der meisten Dönerverkäufer in Berlin-Kreuzberg, wenn sie nach dem Fasten im Ramadan gefragt werden. Gläubige Muslime fasten dieses Jahr vom 1. bis zum 29. August. In dieser Zeit verzichten sie von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang auf Essen und Trinken. Dass das nicht leicht ist, kann sich jeder vorstellen.

Wer schon einmal eine einfache Diät hinter sich hatte, weiß, die beste Möglichkeit auf Essen zu verzichten ist, sich abzulenken und nicht daran zu denken. Doch im Dönerladen ist das nicht möglich, das weiß auch Saim vom Imren Grill: „Es ist nicht nur das Essen, das um uns herum ist, viel schwieriger ist es, anderen Menschen auch noch beim Essen zuzuschauen“.

Iftar – das Fastenbrechen erst, wenn die Gäste zufrieden sind

Der Ramadan ist die Zeit der Besinnlichkeit und der Geselligkeit. Das ist nicht an das Fasten gebunden. Auch diejenigen, die nicht gläubig sind oder nicht fasten, gehen ihre Verwandten und Freunde besuchen oder laden sie zu sich zum Iftar, dem Fastenbrechen, ein. Viele Lokale bieten spezielle Ramadan-Angebote an. Doch die Köche und Kellner müssen auch dann noch arbeiten, wenn die Gäste bereits ihr Fasten beenden. Da bleibt oft nur Zeit für einen Schluck Wasser oder eine Dattel. Die meisten Imbisse bieten schon lange nicht mehr nur Döner an. Saim sagt, er warte meist, bis nicht mehr so viel los ist und widmet sich erst dann in Ruhe seinem Iftar. „Wir bieten so viele verschiedene Gerichte an, da kann man sich jeden Tag etwas Neues aussuchen.“

Speisen mit der Zungenspitze zu probieren ist erlaubt

Bei Ugur vom „Döner 44“, ebenfalls in Berlin-Kreuzberg, ist das nicht der Fall. Der Stehimbiss ist beliebt, hat aber weniger Auswahl. Um sich hier nicht zu einseitig zu ernähren, bringen sich einige Mitarbeiter Essen von zu Hause mit, erklärt Ugur.

Saim klärt darüber auf, wie das mit dem Kochen im Ramadan funktioniert. Es sei durchaus erlaubt, die Speisen auch während des Fastens mit der Zungenspitze zu probieren. „Außerdem kann er jedes Gericht in- und auswendig“, ergänzt ihn ein anderer Mitarbeiter.

„Wir tun das für Gott“

Echte Hausmannskost bekommen die Angestellten des „Orient Eck“ am Kottbusser Tor. „Wir sind hier ein Familienbetrieb. Nicht alle Mitarbeiter fasten, aber meine Mutter kocht jeden Tag verschiedene Gerichte, damit die Fastenden nicht nur Döner essen“, erläutert Cihan Kuzey. Für eine besinnliche Atmosphäre ist auch gesorgt. Cihan zeigt den Dattelvorrat unter dem Tresen: „Hier können sich die Mitarbeiter bedienen“. Sobald die Dämmerung beginnt, in diesen Tagen gegen 21 Uhr, werden im „Orient Eck“ religiöse Lieder gespielt.

Am Abend zeigt sich, wieso Dönerverkäufer, Kellner und Köche der Versuchung den ganzen Tag über widerstehen können. Trotz der Mühe freuen sich alle auf den König der Monate, wie der Ramadan auch genannt wird. „Wir tun das für Gott“, sagt ein Mitarbeiter des neu eröffneten Imbisses „Mis Kebab“ mit angrenzendem Lokal. Saim ist derselben Meinung, nur der Glaube mache das möglich und wenn er das Fasten mit einem Schluck Wasser oder einer Dattel beende, seien alle Schwierigkeiten des Tages vergessen.

Merve Durmus

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