„Erdogan kümmert sich mehr um die deutschen Türken als Merkel“

Die Wirtschaftskrise und eine ansteigende Islamophobie, wie in Norwegen gesehen, könnte das Verhältnis zwischen Türkischstämmigen und Deutschen stark verschlechtern. Ministerpräsident Erdogan reagierte, wo Bundeskanzlerin Merkel tatenlos blieb.

Bei einem Wohnhausbrand in Ludwigshafen 2008 kamen neun türkischstämmige Menschen ums Leben. Zwar blieb die Brandursache bis zuletzt ungeklärt, aber schnell wurde der Verdacht der Brandstiftung mit ausländerfeindlichem Motiv geäußert. Auch in den türkischen Medien sorgte der Fall für Aufsehen. Laut Professor Faruk Sen, einem Experten für Deutsch-Türkische Beziehungen, habe man damals versucht, Bundeskanzlerin Merkel von einer Zusammenkunft von deutschen und türkischen Vertretern zu überzeugen, um mögliche Maßnahmen zu besprechen. Dies habe sie aber abgelehnt.

Nicht nur fühlten sich Türkischstämmige durch die Situation bedroht, auch heizte sie die Gemüter an. Die Situation spitzte sich weiter zu, als türkische Medien (fälschlicherweise) behaupteten, die Feuerwehrleute hätten länger als nötig gebraucht, um den Brand zu löschen. Ein Feuerwehrmann wurde daraufhin sogar in einer Gaststätte angegriffen. Erst der Auftritt des türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan beruhigte die Lage wieder. Zwar besuchten auch die Migrationsbeauftragte der Bundesregierung Maria Böhmer und Kurt Beck den Brandort, aber insgesamt hätte sich die türkische Seite von der deutschen mehr Einsatz erhofft.

Drei Jahre später: Islamophobie zieht sich bis in die gebildeten Gesellschaftsschichten

Das Massaker in Norwegen erschütterte Menschen weltweit. In Deutschland könnte es aber ebenso zu Attacken kommen. Die Islamophobie und die Türkophobie seien nicht länger Phänomene einer ungebildeten Gesellschaftsschicht, sondern hätten die Eliten erreicht. Die Finanzkrise habe dabei einen entscheidenden Beitrag geleistet, auch Besserverdiener hätten nun um ihre Arbeitsplätze bangen müssen. Sollte die Lage sich wieder verschlechtern, könnte das Angriffe auf Türken zur Folge haben – und diese würden sich dann wehren:

„Ein einziger Vorfall könnte die Jugendlichen schon dazu bringen, zu reagieren. Türkische Jugendliche haben die Türkei und Deutschland kritisiert, weil sie nicht sensibel genug mit dem Solingen-Vorfall [1993 starben fünf türkische Frauen in einem durch Deutsche ausgelösten Feuer] umgegangen wären. Früher haben sich junge Türken in Nachtclubs als Italiener ausgegeben, nach dem Solingen-Vorfall pochten sie auf ihre [türkische] Identität. Manche der neueren Generation verdienen viel Geld […] Sie sind sich ihrer Rechte bewusster und fordern sie mehr ein. Sie wollen nicht ausgeschlossen werden. Ihre Eltern waren anders. Die blieben ruhig.“ Türkische und deutsche Vertreter sollten nun gemeinsam Maßnahmen ergreifen, um mögliche Ausschreitungen zu verhindern, so Sen, andernfalls würde ein Gewaltakt von der einen Seite Gegengewalt von der anderen nach sich ziehen.

Mehr dazu hier.

Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.